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In Bearbeitung - Die theatrale Biomechanik

English version below

Im Rahmen eines Projekts zur Erschließung, Verzeichnung, Digitalisierung, Veröffentlichung und Langzeitarchivierung von Materialien zur theatralen Biomechanik Wsewolod Emiljewitsch Meyerholds1 ist ein weiterer thematisch ausgerichteter Informationskomplex der Mediathek für Tanz und Theater des Internationalen Theaterinstituts entstanden.2

Seit Beginn der 1990er Jahre besteht eine kontinuierliche praktische und theoretische Auseinandersetzung des Mime Centrum (heute Teil des Internationalen Theaterinstituts) mit der von dem russischen Theateravantgardisten Meyerhold im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelten theatralen Biomechanik. In diesem Kontext fanden vielfältige Veranstaltungsformen, Demonstrationen, Workshops, öffentliche Vorträge, Ausstellungen u.a., statt. Mit der 1997 in der Autorenschaft des Theaterwissenschaftlers Jörg Bochow entstandenen Publikation Das Theater Meyerholds und die Biomechanik (Alexander Verlag) und der dazugehörigen DVD veröffentlichte das Mime Centrum das bis dahin umfangreichste, systematisch orientierte Wissens- und Erfahrungskonvolut zur theatralen Biomechanik Meyerholds.

Die mittlerweile mehr als 25-jährige kontinuierliche Zusammenarbeit des Mime Centrum/Internationalen Theaterinstituts und des Moskauer Schauspielers, Regisseurs und Biomechanik-Dozenten Gennadij Nikolajewitsch Bogdanow sowie dessen Wirken in internationalen Kontexten generierte einen umfangreichen Fundus an Materialien.

Durch das für ein Jahr vom Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin geförderte Projekt konnte nunmehr im Zuge der Digitalisierung und Langzeitarchivierung die Fülle dieses Materials systematisch erfasst und gesichert werden. Erstmals wird damit eine kontextualisierende Übersicht über die vielfältigen und in ihrer Gesamtheit in der Mediathek des Internationalen Theaterinstituts vorhandenen Bestände geschaffen. Eines der vorrangigen Ziele des Projekts besteht darin, über die Klärung von Urheberrechten und die Einwilligung der zahlreichen Beteiligten einen möglichst großen Teil dieser Materialien online zugänglich zu machen.

Im Kern der hier angesprochenen Materialsammlung steht eine Reihe audiovisueller Aufnahmen, die aus der Zusammenarbeit des Mime Centrum mit dem Schauspieler, Regisseur und Dozenten Gennadij Bogdanow hervorgegangen ist. Die Aufnahmen bieten einen bislang einmaligen Einblick in den Komplex der von Meyerhold entwickelten biomechanischen Etüden und die Möglichkeiten ihrer Anwendung.

Darüber hinaus sind Trainingsprozesse und Workshops, verschiedene Konferenzen, Vorträge und Gespräche sowie Einblicke in die Probenarbeit dokumentiert worden. Einen besonderen Schwerpunkt des Projekts bilden die Mitschnitte von Inszenierungen und Aufführungen, die in unmittelbarer Zusammenarbeit mit Gennadij Bogdanow entstanden oder durch seine schauspielpädagogische Arbeit angeregt wurden. Einige Aufnahmen gewähren Einblick in die vielfältige, international verzweigte Arbeit mit der theatralen Biomechanik.

Um einen differenzierten und zugleich systematischen Zugang zur Thematik zu ermöglichen, wurde das audiovisuelle Material durch fotografische Aufnahmen, zum Teil bislang unveröffentlichte Texte, historisches Stand- und Bewegtbildmaterial sowie Hinweise zu weiteren Informationsquellen sowie Sekundärliteratur angereichert.

Zu Systematik und Benutzung dieser Seite:

Mit der Online-Veröffentlichung des Themas verbindet sich nicht nur die Absicht, die in den Beständen des Internationalen Theaterinstituts vorhandenen Materialien zugänglich zu machen, sondern auch deren Anwendung, Weiterentwicklung und den Dialog darüber anzuregen.

Dafür orientiert sich die Organisation des Zugangs, den die Onlineveröffentlichung anbietet, an den Formaten, die sich für die Beschäftigung mit der Biomechanik und nach der Auswertung und Ordnung des Materials als maßgebend erwiesen haben:

Im KapiteDie Theatrale Biomechanik sind jene Materialien versammelt, mit denen einzelne Etüden und Elemente der Biomechanik verdeutlicht werden können. Kurze Erläuterungen der Prinzipien und der theoretischen Voraussetzungen der Biomechanik ergänzen diesen Einstieg in das Material.

In den folgenden vier Kapiteln sind die Objekte den Kategorien Demonstrationen, Workshops, Inszenierungen und Aufführungen sowie Kontexte und Reflexion zugeordnet. Diese Ordnung des Materials soll der Komplexität der Biomechanik Rechnung tragen, die gleichermaßen als Spielweise (Demonstrationen), Ausbildungssystem (Workshops), Inszenierungsgrundlage und -element (Inszenierungen und Aufführungen) und theoretischer Komplex (Kontexte und Reflexionen) zu begreifen ist. Gleichwohl sind die einzelnen Kapitel durch die präsentierten Objekte miteinander verbunden. Ein von individuellen Fragestellungen geleiteter Einstieg in die Thematik ist so ebenfalls möglich.

An verschiedenen Stellen in den Kapiteln wird auf im Onlinebereich noch nicht zugängliches Material verwiesen. Dieses Material kann vor Ort digital am Terminal sowie analog im Archivbereich des Internationalen Theaterinstituts gesichtet werden. Die Onlineveröffentlichung soll den Möglichkeiten weiterer Rechteklärungen entsprechend laufend ergänzt werden. 

Im Text wird mit latinisierten Versionen der russischen Schreibweisen von Namen und Begriffen gearbeitet. Die Schreibweise richtet sich hierbei nach der Duden-Transkription. Ebenfalls werden die im Russischen üblichen Abkürzungen und Akronyme latinisiert verwendet. Ein Abkürzungsverzeichnis findet sich weiter unten hier in diesem Einstiegstext

Kontaktieren Sie uns gern, um mehr über das Projekt zu erfahren oder sich für eine Sichtung vor Ort anzumelden. 

Der vom Mime Centrum/Internationalen Theaterinstitut in Zusammenarbeit mit Gennadij Bogdanow über mehr als zwei Jahrzehnte betriebene Recherche-, Erprobungs- und Vermittlungsprozess der theatralen Biomechanik wie auch die Realisierung des nunmehrigen Projekts der Digitalisierung und Veröffentlichung waren nur möglich durch die engagierte Mitwirkung und Unterstützung zahlreicher Personen und öffentlicher Förderer, denen hier von ganzem Herzen gedankt werden soll.

Abkürzung:ausgeschriebene Version:
bat                                  Studiotheater der HfS
CISBIT                            Centro Internazionale Studi die Biomeccanica Teatrale
GEKTEMAS                    Staatliche Experimentelle Werkstätten
GITIS                              Russische Akademie für Theaterkunst
GosTIM                          Staatliches Meyerhold-Theater
GYRM                            Staatliche Höhere Regiewerkstätten
GWYTM                         Staatliche Höhere Theaterwerkstätten
HfS                                Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“
MchAT                           Moskauer Künstlertheater
NARKOMPROS             Volkskommissariat für Bildungswesen der RSFSR
RSFSR                           Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
TIM                                Meyerhold-Theater


Einen ausführlichen Text zu Genese und Kontext des Projekts von Thilo Wittenbecher finden Sie hier


1 Das Projekt wurde 2018 gefördert durch das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS), https://www.digis-berlin.de/, abgerufen am 28.12.2018.

2 Ein erster Informationskomplex entstand im Rahmen des Digitalisierungsprojekts zur Gründungsphase der Tanzfabrik Berlin von 1978 bis 1990: http://archiv.mimecentrum.de/searches/561?type=row (abgerufen am 28.12.2018). Erstmalig konnte bei diesem Projekt das Tool für die Erstellung von Themenkomplexen genutzt werden, um den vielfältigen Projektzusammenhängen und Verbindungslinien gerecht zu werden.


------------------------------English Version-----------------------------------------------------

Work in progress - Meyerhold's theatrical biomechanics

The information complex is the outcome of a project for indexing, cataloguing, digitising, publishing and long-term archiving of diverse material on the theatrical biomechanics of Wsewolod Emiljewitsch Meyerhold.
Since the beginning of the 1990s the Mime Centrum (today part of the International Theatre Institute/ITI) has worked continuously on the practical and theoretical examination of theatrical biomechanics. During the course of this examination the Mime Centrum has organized different events such as demonstrations, workshops, public lectures, exhibitions and so forth. The book Das Theater Meyerholds und die Biomechanik (1997, Alexander Verlag), authored by the theatre scholar Jörg Bochow, as well as the accompanying DVD, can still be regarded as one of the most comprehensive, systematically oriented bodies of knowledge and experience on Meyerhold's theatrical biomechanics.

The extensive pool of material was mainly generated in the context of the continous and ongoing cooperation with the Moscow actor, director and biomechanics teacher Gennadij Bogdanow, who was advised in biomechanics by Nikolaij Kustow, one of the last students of Meyerhold himself.
Thanks to a one year project funding by the Kompetenz- und Forschungszentrum Digitalisierung Berlin, it was now possible to systematically record and secure the material by means of digitisation and long-term archiving. For the first time, a contextualizing overview of the diverse and complete holdings available in the media library of the International Theatre Institute has been created. One of the primary goals of the project is to make as much of this material as possible accessible online by clarifying copyright issues and obtaining the consent of the numerous parties involved.
At the core of the collection is a series of audiovisual recordings, produced by the Mime Centrum in cooperation with Gennadij Bogdanow. The recordings provide a unique insight into the complex of the biomechanical etudes developed by Meyerhold and their possible application.
Moreover one can find material which documents training routines and workshops, conferences, lectures and talks as well as rehearsals.
A special focus of the project are recordings of productions and performances that were created in collaboration with Gennadij Bogdanow or were inspired by his pedagogical efforts. The material also offers an overview of the international impact and interpretation of biomechanics.
In order to facilitate a differentiated and at the same time systematic approach to the subject matter, the audiovisual material was enriched by photographs, in part previously unpublished texts, historical still and moving image material as well as references to other sources of information and secondary literature.

How to use the information complex:

With the publication of the material we hope to not only make them accessible but to encourage their use and embedding in contemporary practice and discourse and to stir the dialogue abut history and perspectives of theatrical biomechanics today.
The organization of the access offered by the online publication is based on the formats that have proven to be decisive for the study of biomechanics and after the evaluation and ordering of the material:
The chapter Die Theatrale Biomechanik (Theatrical Biomechanics) comprises all the material which documents single etudes and other core elements of biomechanics. Short explanations contextualize the material in this chapter.
In the following four chapters the material is organized according to the categories Demonstrationen (demonstrations), Workshops (workshops), Inszenierungen und Aufführungen (productions and performances) and Kontexte und Reflexion (context and reflection).  The order of the material is meant to take into account the complexity of biomechanics, which is to be understood equally as a way of acting (demonstrations), a training system (workshops), a basis and element of creation (production and performances) and a theoretical complex (context and reflection). The individual chapters are connected with each other by the objects presented. Thus, an introduction to the subject matter guided by individual questions is possible. At various points in the chapters, reference is made to material not yet accessible online. This material can be viewed on site digitally at the terminal and in analogue form in the library of the International Theatre Institute. The online publication will be continuously supplemented according to the development of further rights clarifications.
The texts make use of latinised versions of the Russian spelling of names and terms based on the Duden transcription. The abbreviations and acronyms commonly used in Russian are also used in a latinised form. A list of abbreviations can be found at the end of this page.
Please contact us to find out more about the project or to schedule a research appointment in the media library.
The ongoing research, experimentation and communication of theatrical biomechanics carried out by the Mime Centrum/International Theatre Institute in cooperation with Gennadij Bogdanow for more than 20 years, as well as the realisation of the current project of digitalisation and publication were only possible through the commitment and support of numerous individuals and public sponsors, to whom we would like to express our heartfelt gratitude.

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