INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-9019

Buddy bodies

Beschreibung

Buddy Bodies 

I. Buddy Bodies ist der Titel eines Solo/Duo-Abends mit 5 Stücken von Dieter Heitkamp und Helge Musial. Es tourte international u.a. in Italien, Frankreich, Hong Kong, New York, Montreal und Rio de Janeiro. Das Stück kann als einer der ersten Abende im deutschsprachigen Raum gelten, der sich mit Männerbildern und Maskulinität im Tanz auseinandersetzt. Über das Spiel mit männlichem und ‚männlich untypischem‘ Bewegungsmaterial werden Bewegungs- und Genderstereotype neu interpretiert und über die Performance hinterfragt. Mit Bewegungselementen der Contact- Improvisation und Zitaten anderer Bewegungsstile wie z.B. dem klassischen Ballett, dem Turnen und Kampfsportbewegungsmaterial wird eine athletisch sinnliche Körperlichkeit mit zwei Männern im physischen Kontakt inszeniert. Das Duett „2 Herren und ein Saxophon“ wurde 1982 beim ersten Sternzeichen Festival – „Homosexualität im Theater“ im Frankfurter Theater am Turm gezeigt.


1. Rapid Eye Movement 

Ein Stück in 7 Teilen von und mit Dieter Heitkamp und Helge Musial bestehend aus folgenden Sequenzen:

  • Video/Film:  Dias: Udo Hesse, Kamera: Dieter Appelt, Produktion der HdK Berlin

  • roter, gelber, grüner, brauner, schwarzer; aber rot ist doch mein bruder, er wählte stets blau, Musik Curt Zimmermann und Kristian Stoyer, Werkstatt-Projekt „Mensch-Zeit – Raum“, Scheersberg ’82

  • Hommage an Egon Schiele

  • Handsequenz

  • Mattensequenz / Dojo

  • Duett im Raum ; Musik: Elisabeth von Exe interpretiert Romeo und Julia“ von S. Prokofjew

  • Marmor / Kugel

Über einen Projektor ist ein Timecode im Rücklauf zu sehen, bei Null angekommen, wird dieser abgelöst durch Projektionen von vier Händen, die sich zugreifend berühren um schließlich den Kontakt sequentiell auflösen. Zwischen spielerischer Bewegung und Gestik entsteht eine komplexe Choreographie der Hände.

Schließlich ist eine gehende Person in Stills zu sehen, die in die reale Person Dieter Heitkamps überblendet wird. In rotes Lichts getaucht folgt sodann ein kurzes Solo von Heitkamp, das durch Musik von Curt Zimmermann und Kristian Stoyer begleitet wird, und in dessen Verlauf die einfache, jedoch durchchoreographierte Bewegung des Gehens in all ihren Variationen durchgespielt wird.

Der nächste Teil beginnt mit Helge Musial, der athletische, turnerische Bewegungssequenzen auf drei aneinandergereihten (Möbelpacker-)Matten ausübt. Das Solo wird mit einer rückwärtigen überraschenden Fallbewegung und einem Licht Black Out beendet.

Die drei Matten werden nunmehr Rampenparallel von den Performern in der Mitte der Bühne auf der ganzen Länge ausgelegt. Das Bewegungsmaterial des nun gezeigten Duetts wird aus Elementen der Contact Improvisation, Sportübungen und Judosequenzen generiert. Beide Performer tragen helle Judohosen, ein dunkles Sport-Shirt, Boxerstiefel.

Nach Abbau der Matten und einem kurzen auf der Bühne sichtbaren Kostümwechsel folgt ein Duett zur Musik von Prokofjews Romeo und Julia-Suite, getragen von dem musikalischen Mitschnitt einer Ballettklasse.

Die Paraphrasierung des klassischen Balletts, hier von zwei Männern getanzt, benutzt das Bewegungsmaterial um eingeschriebene Männlichkeitsbilder zu betonen als auch zu unterlaufen oder zu konterkarieren.

Das Bewegungsmaterial wird durch Elemente aus der Contact Improvisation erweitert. Synchronisierungen, Hebungen, Sprung- und Drehbewegungen durch den Raum wechseln sich ab.

In der letzten, relativ kurzen Sequenz sitzen die beiden Performer einander gegenüber und rollen auf einer Steinbahn, ca. 20 cm breit und ca. 1,20 cm lang, eine Eisenkugel zwischen einander hin und her. Der Rhythmus des Rollgeräusches der Kugel dominiert nunmehr den Raum und entfaltet eine dialogische Wirkung. Das Spiel wird jäh durch die komplette Verdunklung unterbrochen.


kurze Pause


2. Der Hirnficker - Stück über Realitäten, Standpunkt Juli 84

von Dieter Heitkamp

Das Solo von Dieter Heitkamp wurde bereits im Rahmen von Im Dutzend billiger 1983 präsentiert. Man sieht Dieter Heitkamp mit dem Rücken zum Publikum kopfüber auf einem Marcel-Breuer-Stuhl balancierend; im Hintergrund schwingt ein Pendel an einem langen Seil hin und her. Die Entwicklungen des Bewegungsmaterials suggerieren eine psychotische Vorstellungswelt, es scheint als würde die Figur verschiedene Zustände durchleben, Dinge sehen, die nur ihm zugänglich sind. Das Bewegungsmaterial ist gekennzeichnet durch die Isolation von Bewegungen der einzelnen Körperteile, kurze plötzliche Drehungen und Bewegungen, die an zwanghafte Ticks erinnern.


3. Boxtrott-Tägliches Kampfgeschehen

von Helge Musial

Das Solo von Helge Musial (in kurzer Sporthose und -hemd) variiert bestimmte Männlichkeits-Stereotypen des Sports; es karikiert sie durch Übersteigerung und Kontrapunktik. Die Premiere des Solos fand 1984 bei der Präsentation des Programmes ‚Buddy Bodies‘ im New Yorker Spielort P.S 122 statt. Eine Besprechung durch den Tanzkritiker Otis Stuart in der Village Voice und seine Umschreibung des Gesamtprogramms mit dem Satz ‚Who did what to whom was never really clear and isn’t that the awful truth‘ wurde später zum Titel für eine größere Tanzproduktion von Dieter Heitkamp. Das Solo von Helge Musial fand später Eingang in Dieter Heitkamps Gruppenstück Sieg der Körperfreuden (1985).


Pause


4. Stock

von Dieter Heitkamp

Musik: Roger McGough

(eine Minute aus „Pizza Girl“ (choreographiert für das Frankfurter Ballett, 1986)

Ein kurzes Intermezzo von Dieter Heitkamp im Gegenlicht und später flackerndem Stroboskoplicht mit einem langen Stab, der unterschiedlich – als Kampfinstrument, als Mikrophon u.a. – eingesetzt wird. 


5. Walk the Dog

von Dieter Heitkamp

Musik: Laurie Anderson

Das Stück von Dieter Heitkamp zur Musik von Laurie Anderson erinnert an Vaudeville oder an eine kabarettartige Einlage. Die beiden Tänzer bewegen sich teilweise synchron, teilweise aufeinander respondierend. Von nachahmenden Hundebewegungen über clowneske Artistik oder Überhöhungen von genderspezifischen Klischees wird hier eine parodistische und virtuose Bewegungsfolge in Szene gesetzt. Schnelle Wechsel im Bewegungsmaterial und die direkten Korrespondenzen zwischen den Tänzern tragen zu diesem Eindruck bei.


6. Zwei Herren und ein Saxophon

von Dieter Heitkamp und Helge Musial

Contact- Duett, bei dem Helge Musial zudem mit Saxophon die Szene begleitet und das Instrument zunehmend – fast als dritter Tanzpartner – mit einbezogen wird. Die Möglichkeiten und Einschränkungen, die daraus resultieren, bestimmen die Choreographie, ebenso reagiert aber auch die Musik selbst auf Bewegungsimpulse. Ein besonderer Teilaspekt des Umgangs mit der Musik war, dass die gewohnt statische und unbewegliche Position eines Musikers von Musial verlassen wurde. Das erzeugte musikalische und klangliche Material wird aktiv und dynamisch in den Raum getragen und bewegt.

Archivsignatur der Akademie der Künste: AVM-33 10010 (https://archiv.adk.de/objekt/2926493)

km;dh;hm
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Musik
Video
Standorte
MCB
Reihe
Sprache
de
Aufnahmedatum
Samstag, 31. Dezember 1983
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
André Thériault
Länge
56 min
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