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MCB-DV-1695

Mauerfälle - Incidental Journey Berlin

Autorenschaft
Beschreibung

Eine performte Mauerführung von Martin Nachbar.
Die Mauergeschichte, der Martin Nachbar auf der Spur ist, führt mitten hinein in ein deutsch-deutsches Drama. Unfälle, Zwischenfälle, ein Ereignis, das das Leben einer Stadt stört ' das ist das übergreifende Thema aller sechs Stationen. Dass er sich bei seinen Berliner Ermittlungen auf heiklem Terrain bewegt, ist Nachbar bewusst. Im Dokumentationszentrum in der Bernauer Straße, wo alle Mauertoten aufgelistet sind, begegnete man ihm zunächst mit Skepsis. Ein Performancekünstler! Die Institution möchte die Geschichte lieber in Form von Gedenktafeln und wissenschaftlichen Abhandlungen aufbewahrt wissen.

An diesem Nachmittag steht Martin Nachbar vor einem rostigen Tor neben dem Verkehrsministerium, dahinter befindet sich eingezäuntes Brachland. „Reinhold-Huhn-Straße“ ist in verblasster Schrift zu lesen. Bei Internet-Recherchen stieß Nachbar auf den Fall Reinhold Huhn. Der Soldat der Grenztruppen war 1962 an der Sektorengrenze in der Zimmerstraße vom Fluchthelfer Rudolf Müller erschossen worden.

Eine ebenso tragische wie absurde Geschichte, in die der Axel-Springer-Verlag und die Geheimdienste verwickelt waren. Die DDR erklärte Huhn zum Helden im „Kampf gegen den Westen“ und nahm seinen Tod zum Vorwand, um die Mauer weiter auszubauen. Ein ihm gewidmetes Denkmal stand bis 1990 in der Schützenstraße, die bis zur Wende Reinhold-Huhn-Straße hieß. Nachbar interessiert vor allem, wie mit Denkmälern der DDR umgegangen wird. Seine „Incidental Journey Berlin“ versucht, die „Unglücksaura“ des Ortes in Form eines „dokumentarisch-performativen Stadtspaziergangs“ zu rekonstruieren. „Natürlich ist es erst mal eine Behauptung, zu sagen: Wenn ich mich mit einem Publikum durch die Stadt bewege, dann ist das Choreografie“, sagt Nachbar. Doch bei seiner Salzburger Tour konnte er bereits die Erfahrung machen, dass die Zuschauer zu Performern wurden.

Regie
Choreographie
Darsteller
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Mittwoch, 16. August 2006
Orte
Stadt
Berlin
Land
D
Kamera
Andrea Keiz
Länge
60 min
Schlagworte