INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-TV-9746

DisTanzen

Autorenschaft
Beschreibung

Durch die Komposition von Klang, Silbenklang und Gestenvokabular eine neue Form von Erzählung zu finden, ist das Anliegen von Distanzen. Die Worte und die Silben tanzen wie auch die Gesten und die Körper, aber doch mit Distanzen. Die Silbe `Dis´ steht auch noch für das Missverhältnis von bestimmten Wortüberschneidungen, Tonhöhen und Bewegungsabläufen, so dass sich ein Blick wie auf einen fremden Planeten eröffnet. Die Kombination des Fremden mit den eigenen Erfahrungen lässt ein empfindliches Gewebe entstehen, das der Zuschauer mit Augen und Ohren abtastet und sich zu eigenen Szenen zusammensetzt, zu Szenen, die den Figuren seines Alltags entsprechen. Distanzen ist Theateruntersuchung und gesellschaftliches Bild zugleich.

Für das musiktheatrale Geschehen DisTanzen wurde eine Sprache ohne Semantik entwickelt, die weder als abstrakt dadaistische Lautkomposition, noch als Imitation einer unverstandenen Fremdsprache erscheint. Grundlage der Komposition ist ein Quadrat von 7x7 Silben, welche das ausschließliche klangliche Material der Komposition bilden. Die Silben des Quadrats können horizontal, vertikal und diagonal gelesen werden. Auf diese Weise entsteht für jeden der sieben Spieler eine sprachliche Variante, die als Grundreihe seines musikalischen Materials dient. Der Hörer wird dabei auf eine Gratwanderung geführt, bei der seine Wahrnehmung ständig zwischen musikalischem und sprachlichem Hören changiert.

"Sprachkomposition bedeutet, im Unterschied zur Komposition von Sprache, dass hier nicht ein Text vertont wird, dass nicht Sprache `in Musik gesetzt´ wird, sondern dass sich die Musik aus der Materialität des Sprechens heraus entwickelt. Das Sprechen bietet aufgrund der Vielfalt kultureller und psychologischer Bedingungen seiner Hervorbringung ein unendliches Potenzial an klangfarblichen und rhythmischen Nuancen, wie sie mit Hilfe traditioneller musikalischer Notation niemals herzustellen wäre."

Michael Hirsch



// Credits //

Groteske von Achim Freyer
Sprachkomposition von Michael Hirsch
Dramaturgie: Klaus-Peter Kehr
Regieassistenz: Robert Podlesny, Torsten Schröder
Inszenierung: Achim Freyer
Bühne und Kostüme: Maria-Elena Amos
Mit: Christine Baechler, Ralf Harster; Michel Hirsch, Rainer Homann, Pavel Janicek, Anna Karger, Henryk Antoni Opiela, Robert Podlesny

Dauer der Aufführung: 50 Minuten, keine Pause
Uraufführung: 2. April 1994, Oper der Stadt Bonn, Neues Theater für Musik
Aufzeichnung einer Aufführung im Theater der Stadt Güterscloh, Dezember 1994


www.freyer-ensemble.de
Regie
Dramaturgie
Darsteller
Bühnenbild
Kostüm
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Donnerstag, 01. Dezember 1994
Orte
Stadt
Bonn
Land
DE
Länge
50 min