INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-TV-3613

Picadilly Circus / Aureoolvitriool

Beschreibung

Zwei Produktionen des Griftheater mit dem Regisseur Frits Vogels. Picadilly Circus (1), 30 min. Ein Geniestreich des Understatement: eine mutige Liebeserklärung und zugleich sezierend direkte Parodie auf kulturelle Mechanisierung und Wechselbeziehung von Autarkie und Abhängigkeit (an Beispielen von Michael Jackson / Billie Jean als Missverständnis, Flashdance / ein einzelnes Zeichen als Offenbarung des Potentials und zugleich der Grenzen eines ganzen Genres): Regisseur Wouter Steenbergen nimmt liebevoll auf, daß die Landkarte das Land nur beschreibt und doch so gerne mit dem Land selbst verwechselt wird. Griftheater vereint beides in spielerischem Spagat. Zwischen der Poesie von Feuerwerk und Regenbogen willig schwankend, staunt der Betrachter ob immenser Fülle an spezifischen Assoziationen, Zitaten und Bekenntnissen. Ein stilles und flammendes Plädoyer für die mime corporel. Aureoolvitriool (2), 30 min. Der Name (von Aureole = Lichtkranz, Korona und Vitriol = kristallwasserhaltige Sulfate) leitet sich aus dem Lehrsatz der Alchemie ab, welcher sich auf die Suche nach dem Stein der Weisen als allgemein gültige Antwort auf alle wissenschaftlichen Fragen bezieht: wie auch in PRACHTGLEIS spielt mythologischer Wunderglaube hier eine Rolle als Antrieb menschlichen Forschens und letztendlich allen Handelns. Im Zentrum des Spielfeldes befestigt der Protagonist ein Seil an welches er sich sinnbildlich selbst bindet und einen Kreislauf in mehrfachem Sinne beginnt. Als er sich zu lösen wagt, begegnet er einem möglichen Ende seines Strebens wie auch seiner freiwilligen Bindung: er stellt sich der Angst vor der Sterblichkeit. (dS)

Regie
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Darsteller
Paul van Kolck (1), Jan Taks (2)
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Freitag, 29. Mai 1987
Stadt
Amsterdam
Land
NL
Kamera
Andreas Hamelberg
Länge
61 min
Schlagworte