INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-SV-1192

Die Clowns

Autorenschaft
Beschreibung

I Clowns - Die Clowns wurde für das Fernsehen produziert und lief 1971 in Italien, Frankreich, Deutschland und den USA. Fellini versuchte nicht die Erzählform des Kinos zu kopieren und inszenierte den Film in einem plaudernden, vertraulichen, eher journalistischen als erzählenden Ton. (Quelle: Wikipedia). "Wenn ich Clown sage, denke ich an den August; freilich sind da die beiden Figuren: der weiße Clown und der August. Der erste ist Eleganz, Grazie und Intelligenz, Klarheit - alles, was sich moralisch als ideale, einziggültige Lage, als indiskutierbare Gottheit anbietet. Und da erscheint der negative Aspekt dieser Angelegenheit. Denn so wird der weiße Clown zur Mama, zum Papa, dem Meister, dem Künstler, dem Schönen, kurz, zu dem, was man tun sollte. Der August der von dieser Perfektion fasziniert wäre, wenn sie nicht so deutlich zur Schau getragen würde, der revoltiert. Er sieht, daß der Flitter leuchtet, doch macht die Aufgeblasenheit, mit der er sich darstellt, den weißen Clown unerreichbar. August ist das Kind, das unter sich kackt, er rebelliert gegen diese Perfektion, besäuft sich, wälzt sich auf dem Boden und belebt daher den ständigen Widerspruch. Es ist der Kampf zwischen dem stolzen Kult der Vernunft, der zum anmaßenden Kult des Ästhetizismus wird, und dem Instinkt, der Freiheit des Triebes. Der weiße Clown und der August - es sind Lehrerin und Kind, Mutter und Lausbub, man könnte auch sagen: der Engel mit dem feurigen Schwert und der Sünder.
Es sind die beiden Haltungen des Menschen, der Drang nach oben und der Drang nach unten, getrennt, geschieden. Mein Film (Die Clowns) endet so: die beiden Gestalten kommen einander entgegen und gehen miteinander von dannen. Warum rührt diese Situation ? Weil diese beiden Gestalten einenMythos verkörpern, den wir alle in uns tragen. Versöhnung der Gegensätze, die Einheit des Seins.
Was im steten Krieg zwischen dem weißen Clown und dem August schmerzt, hat nichts mit der Musik und dergleichen zu tun, es ist unsere Unfähigkeit, die beiden zu versöhnen. Denn je mehr du den August nötigen willst, diese Geige zu spielen, desto schrillere Trompetentöne läßt er hören. Auch verlangt der weiße Clown. daß der August elegant sei. Der wird aber umso verlumpter, unbeholfener, staubbedeckter, je autoritärer das Gegenteil verlangt wird. Er ist das vollkommene Sinnbild einer Erziehung, die das Leben idealisierend und abstrakt anbietet. Doch sagt Lao Tse: wenn du dir einen Gedanken machst (der weiße Clown), so lache darüber (der August). So ist der weiße Clown der Bourgeois, auch weil er mit seiner Persönlichkeit so erscheinen will, daß er Eindruck macht. Schon im Anblick ist er wunderbar, reich, mächtig, das Antlitzweiß, gespenstisch, der Mund durch einzigen Strich gezeichnet, hart, unsympathisch, abweisend, kalt. Die weißen Clowns wetteifern stets, wer das prunkvollste Gewand trägt (Krieg der Kostüme). Berühmt war Theodor, der für jeden Tag des Jahres ein anderes Kostüm besaß. Der August ist im Gegenteil auf einen einzigen Typus fixiert, der sich weder wandelt noch Kostüme wechselt. Die bürgerliche Familie ist eine Versammlung von weißen Clowns, worin das Kind in die Lage des August gedrängt ist. Die Mutter sagt: »Tu dies nicht, tu jenes nicht.« Wenn man die Nachbarn einlädt und das Kind ein Gedicht aufsagen muß (»zeig den Herrschaften, was du kannst«), dann hat man eine typische Zirkussituation." (Zitat Fellini, Geschichte der Clowns, Quelle www.clowns.cd)

Regie
Darsteller
Federico Fellini, Charlie Rivel, Riccardo Billi, Tino Scotti, Fanfulla, Dante Maggio, Carlo Rizzo , Gigi Reder, Alvaro Vitali, Anita Ekberg, Pierre Étaix, Annie Fratellini.
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
1970
Land
IT / FR / DE
Kamera
Dario Di Palma
Länge
92 min
Schlagworte