INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-7651

An organizational study, that's my work // Sorrow Swag

Beschreibung

An organizational study, that's my work (20min)

Ich habe darüber geschrieben, wie Ideen entstehen. Ich verdaue. Zurückschauen auf das, was da ist, um mein Modell wieder in einen Körper zu bringen Se mettre à  nu.
Eine Methode zur Herstellung von Absurdität.

2013 schrieb Cécile Bally eine Master-Arbeit in Entscheidungstheorie darüber, wie sich in einem kreativen Prozess im zeitgenössischen Tanz Ideen bilden, entwickeln und zu einem Stück werden. Was wird verhandelt und wer entscheidet? Sie betrachtete den Tanz durch die ethnografische Brille, um seinen Aufbau besser zu verstehen, und schuf aus diesen Beobachtungen ein konzeptionelles Modell. In ihrem Solo verkörpert Cécile Bally nun ihre Forschung und ergründet die Bedeutung einer körperlichen Reaktion auf eine Forschungs- und Darstellungsmethode akademischer Ergebnisse. Wie kann eine Dramaturgie die konventionellen Formen akademischen Schreibens verkörpern, aber nicht die Bedeutung seiner Inhalte? Wie erzeugt man eine Reibung zwischen verschiedenen Diskursebenen, während man die Arbeit auf klarem Kurs hält?

Wenn Sie verstehen, was ich sage, begreifen Sie, dass ich nicht sehr viel sage, wenn nicht, denken Sie vielleicht, ich sage eine Menge. Von innen her versuche ich bloß, eine Idee zu Ende zu verfolgen, und es ist schon eine schöne Herausforderung, wenn man bedenkt, dass ich die Bühne von oben betrachte, damit ich auch ganz sicher vorne rechts in der Ecke lande.

CÉCILE BALLY studiert Tanz und Choreografie am HZT Berlin, zuvor Ökonomie und Management an der École normale supérieure de Cachan in Frankreich. Ihre Masterarbeit schreib sie in Entscheidungstheorie über das Entstehen und die Entwicklung von Ideen in Tanzprobenprozessen. Sie ist außerdem Gründungs- und aktives Mitglied des Performance-Kollektivs Bling Bling Recycling. Cécile Bally erforscht körperlich die Konzepte der Vorführung, Transitivität und Widerlegung dramatischen Erfolgs und Scheiterns. Bally versucht, die Methodiken ihrer akademischen Forschungspraxis auf ihre darstellerische Praxis anzuwenden und umgekehrt. Ihre jüngsten Arbeiten waren in der Tanzfabrik Berlin, im Bauhaus Dessau, der Dansehallerne Copenhagen im Rahmen des Works at work-Festivals, in den Uferstudios Berlin im Rahmen von Ausufern - Tanz im August sowie beim Inzucht-Festival zu sehen.

[Quelle: Abendzettel]

SORROW SWAG (37min)
Ligia Lewis entwickelte aus einem Method Acting Workshop ein choreografisches Prinzip, das durch Stanislawskis Schauspieltechnik und die Praxis des "Authentic Movement" eine besondere Intensität der Verkörperung erreicht. Grundlage dieser Performance sind die Texte Antigone von Jean Anouilh und Not I von Samuel Beckett, die adaptiert und in Bewegung übersetzt werden. Gemeinsam mit Performer Brian Getnick arbeitete Lewis an einem akribisch geformten hybriden Körper, der ständig im Fluss bleibt. Getnick interpretiert die Antigone als instabile Gestalt und hinterfragt Ethnie, Verkörperung und Darstellung, Geschlecht und Trauer. Lewis begibt sich auf die Suche nach den Möglichkeiten eines Körpers, der sich im Zustand andauernder Verwandlung einer endgültigen Gestalt verweigert. Antigone, die Prinzessin, die ihr Leben opfert, um sich treu zu bleiben, bildet den roten Faden der ersten Stückhälfte. Im zweiten Teil schlüpft Getnick in die Rolle von Billie Whitelaw, Darstellerin in Becketts Nicht ich ' in der ausschließlich ihr Mund zu sehen ist. In Sorrow Swag ist sie nicht nur eine Stimme, sondern beschreibt diese Art der Darstellung und visualisiert den unsichtbaren Vorgang der Interpretation und Verkörperung. Während Antigone zwischen Überzeugung, Empathie und Leid schwankt, stellt Whitelaws Figur eine direkte Verbindung zu den Themen von Sorrow Swag dar: Im Mittelpunkt stehen empirisch entwickelte Gedanken zur Beziehung zwischen Ethnie, Geschlecht, Autorenschaft und Körper.

LIGIA LEWIS erarbeitet mit Mitteln aus Theater, Tanz und Sprache Themen der Pop-Kultur und setzt sich mit Ethnie, Verkörperung, Darstellung, Geschlecht und Trauer auseinander. Geboren in der Dominikanischen Republik und aufgewachsen in den Vereinigten Staaten, lebt sie heute in Berlin. Ihren BFA erhielt sie an der Virginia Commonwealth University. Als Performerin wirkte Lewis weltweit in Theater-, Tanz- und Filmproduktionen mit. Sie arbeitete mit Les Ballets C de la B, mit Jeremy Wade, Kat Valastur, Ariel Efraim Ashbel, Tracy Rose und anderen, und spielte in Filmen von Uli Edel und Wu Tsang. Derzeit tourt sie in der Produktion Monument O von Eszter Salamon. Sensation 1 war 2014 Teil des Programms der Liste Basel, $$ wurde vom HAU Berlin koproduziert. Ihre letzte Produktion Sorrow Swag wurde kürzlich bei Human Resources Los Angeles gezeigt.

BRIAN GETNICK schloss das Vassar College mit einem BA in Kunst ab und die School of the Art Institute of Chicago mit einem MFA in Faser- und Materialkunde. 2008 wurde er von der Galleria Civica in Trent, Italien, für den Performance-Preis vorgeschlagen. Getnicks Performances waren bei Station Independent Projects in New York, in der Honor Fraser Gallery, im Red Cat und bei Machine Projects in L.A. sowie bei Croxhapox in Gent zu sehen. Aktuell leitet er die Plattform Native Strategies für Performancekunst und ist Leiter des PAM in Highland Park.

ENGLISH:

SORROW SWAG was devised from the adaptations of two plays: Antigone as translated by Jean Anouilh and Not I by Samuel Beckett. These texts form the backbone of the piece, which was set in motion by combining the theatre techniques of method acting and authentic movement. Performed by Brian Getnick, the character of Antigone is reinterpreted and dismantled, producing an unstable figure that interrogates race, embodiment, representtation, gender, and grief, but not necessarily in that order. Getnick's performance takes place in an immersive visual and auditory space that veers from spectacle to stark realism. Within this conceptual and practical framework, Ligia Lewis searches for the political potential of watching a body in a perpetual state of transformation, always refusing a definite character. Antigone, the princess who denies all that identity has placed upon her to forsake her life in order to be true, is the through-line, the anchor for the otherwise chaotic nature of the first half. In the second section, Getnick slips into the character of Billie Whitelaw, the first ' literal - mouth-piece of Beckett's final work Not I. In Sorrow Swag, she (through Getnick) she describes this position to her audience, making visible this act of interpretation and embodiment. While the character of Antigone fluctuates between states of conviction, empathy, and suffering, the Whitelaw character presents a direct line to the ideas behind this work: experientially and theoretically derived thoughts on the relationships between race, gender, authorship, and the body.

Making use of theater, dance and text LIGIA LEWIS makes performances engaging pop culture, affect, and empathy. To this end she crafts works interrogating race, embodiment, representation, gender, and grief. Born in the Dominican Republic and raised in the US, Lewis lives and works in Berlin. She received her B.F.A from Virginia Commonwealth University. As a performer Lewis has worked extensively across Europe and abroad in theater, dance and film productions with Les Ballets C de la B, in films by Uli Edel and Wu Tsang, and with artists Jeremy Wade, Kat Valastur, Ariel Efraim Ashbel, Tracy Rose and more. She is currently touring in the production Monument 0 by Eszter Salamon. Her work Sensation 1 was featured in Basel Liste's 2014 program. $$ was co-produced by HAU Berlin, Sorrow Swag was recently presented at Human Resources Los Angeles.

BRIAN GETNICK received a BA in art from Vassar College in 1998 and his MFA in Fiber and Material Studies at the School of the Art Institute of Chicago in 2004. In 2008 he was nominated for the fourth annual performance prize through the Galleria Civica in Trento Italy. Getnick's performances have been seen at Station Independent Projects in New York City, at Honor Fraser Gallery, Red Cat, and Machine Projects in Los Angeles and at Croxhapox in Gent. He currently co directs Native Strategies, a journal and performance art platform with Tanya Rubbak, and is the director of PAM, a theater space and artist residency in Highland Park.

[Quelle: Abendzettel]

Der Trailer von „Sorrow Swag“ ist auf der Seite von Tanzforum Berlin verfügbar.

Choreographie
Darsteller
Cécile Bally, Brian Getnick
Standorte
MCB
Reihe
Aufnahmedatum
2015
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Walter Bickmann
Länge
57 min