INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-6569

in their name

Beschreibung

Nach seinen Erkundungen des Raums als Bedingung gesellschaftlicher und zwischen- menschlicher Verhältnisse wendet der österreichische Choreograf Philipp Gehmacher den Blick wieder stärker auf das Bewegungsmaterial. Wie nach einem Schiffbruch gestrandet, sitzt das Publikum quer zu einem Arrangement aus stehenden, liegenden, hängenden Objekten. Vielleicht die Überreste einer nie abgeschlossenen Baustelle? Drei Performer, ihre Gesten und Worte, treten untereinander und mit den Gegenständen, umgeben von Licht und Klang, in eine prekäre Interaktion. Alles ist in Bewegung, strebt nach momenthaft gelingender Übereinkunft - um sich dem stabilen Bedeutungs- rahmen dann doch immer wieder zu entziehen. "in their name" ist Gehmachers erste größere in alleiniger künstlerischer Verantwortung entstandene Theaterarbeit seit 2007.

"Heute habe ich sicherlich den Anspruch, Ansätze aus der bildenden Kunst und aus dem Theater zu verbinden, vielleicht aber eher im Sinne der Präsentation, des Formats. (...) Ich versuche mich immer mehr der sequenziellen Logik einer Erzählung zu entziehen, das Stück wird zum Objekt. Und doch gibt es mehr "lesbaren" Inhalt. In "in their name" ist es jedoch schon fast eigenartig, wie ich die einzelnen Teile zusammenwebe, die im ersten Moment vielleicht gar nicht "dramaturgisch im Sinne des Theaters" zusammenzupassen scheinen. Ich habe mir viel Freiheit gegeben und versucht, so intuitiv wie möglich an Szenen heranzukommen. Ich brauche allerdings sehr lange, um meine Inhalte herauszuarbeiten.

Im Umgang mit einem emotionalen Inhalt, in der Reibung einer Empfindung, in der Formung eines Zeichens, spiegelt sich eine gewisse Reibung mit der Gesellschaft, die ich empfinde. Denn ich frage mich selbst des Öfteren, ob ich tatsächlich Teil dieser Gesellschaft bin? Dieser Gesellschaft, die sich darauf einigt, mit bestimmten Dingen auf eine bestimmte Art umzugehen, auf eine bestimmte Art zu lesen. Wie kann ich diese Vorgänge verstehen lernen und einen Umgang mit ihnen entwickeln? Früher war ich manchmal irritiert, weil manche Leute fanden, dass ich Dinge zu konkret umsetzte. Warum ist das so? Welcher Stil, Geschmack, Ästhetik wird da erwartet? Was für eine Form der Konzeptualität ist da gefragt? Ich spreche hier von einer Vorstellung des zu konkreten gegenüber meiner reduziert oder abstrakt wahrgenommen Arbeit. Ich wusste und weiß, dass da Inhalte lauern, die oft pathetisch zum Vorschein kamen, da, wenn ich sie aus den Händen gebe oder in einem Tonfragment suche, nicht immer "meine Verfremdung" vorhanden ist. Diese Arbeit hört allerdings nie auf. Darin bin ich immer zwei: der, der aus sich heraus formen und mit Lesbarkeit spielen kann, und der, der das Außen, die Umwelt verstehen und verarbeitet in die Stücke mit einbeziehen möchte.

Im Lauf meiner Arbeit werden mir bestimmte Inhalte immer bewusster, Themen wie Zweisamkeit kommen immer wieder und sind wichtig. Ich mache zwar kein "großes politisches" Theater, aber es geht mir immer um das Dasein, um den Anderen, um die Anderen, um den Blick in die Welt. Da geht es dann auch um die Frage, ob man der ist, der man zu sein glaubt, bzw. der Körper ist, der eben doch mehrere Körper in sich trägt."
Philipp Gehmacher in: corpus. internet magazin für tanz, choreografie, performance, 11. November 2011.

[Quelle: Abendzettel]

hbg

Choreographie
Darsteller
Philipp Gehmacher, Rémy Héritier, An Kaler
Standorte
MCB HZT
Aufnahmedatum
Freitag, 16. November 2012
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Walter Bickmann
Länge
77 min