INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-6496

Disabled Theater

Autorenschaft
Beschreibung

In seinem neuen Stück arbeitet Jérôme Bel mit geistig behinderten Schauspielern des Theater Hora aus Zürich. Die Performer teilen mit ihrem Publikum das ihnen eigene Zeitempfinden, ihre besondere Körperlichkeit und Sensibilität. Es entsteht ein Raum, in dem Behinderung nicht aus den visuellen und diskursiven Praktiken ausgeschlossen ist ' das Marginalisierte ist in den ästhetischen Diskurs vollständig integriert. "Der Choreograf Jérôme Bel interessiert sich seit seinen frühesten Arbeiten für das, was ausserhalb der Repräsentation steht. In seinen Choreografien werden die Regeln von Tanz und Theater wie die Syntax einer Sprache behandelt, die analysiert und schliesslich ins Spiel gebracht wird. Seine von professionellen wie auch Amateur-Interpreten getanzten und gesprochenen Choreografien lassen sich auch als Stellungnahmen zugunsten einer Demokratisierung des Tanzes auffassen, die er durch eine nicht-virtuose Herangehensweise zu verwirklichen sucht. Für Disabled Theatre (2012) hat er mit den Schauspielern mit geistiger Behinderung des Zürcher Theater HORA zusammengearbeitet. In einer Gesellschaft, die sich selbst als zutiefst normal definiert, bildet Behinderung eine Grenze, gegen die die Kategorie der Normalität anrennt. Ihre intellektuelle Spielart, also geistige Behinderung, gilt weithin als das radikale Gegenteil der intellektuellen Schärfe und Kultiviertheit des an zeitgenössischem Tanz und Theater interessierten Publikums. Diese Form von Behinderung versucht Bel in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ebendieses Publikums zu rücken, um aus ihr einen Schlüssel zu machen, der uns eine Sichtweise erlaubt, durch die wir eine gemeinsame Dimension denken können. Bei der Arbeit mit den Schauspielern des Theater HORA geht es Bel um die Eröffnung eines Raums, in dem Behinderung weder aus künstlerischen und diskursiven Praktiken ausgeschlossen noch hinter dem Schutzschirm politischer Korrektheit versteckt, sondern als Bestandteil eines Diskurses anerkannt wird, der für die ästhetische wie die politische Dimension von Bedeutung ist. Mit Disabled Theatre wirft Bel ein Schlaglicht auf die Dynamik der Ausgrenzung, durch die diejenigen an den Rand gedrängt werden, die als unproduktiv gelten. Er zeigt auf, wie sie ganz im Gegenteil auch die Mechanismen dieser Repräsentation hinterfragen und auf die Existenz als eine ungeteilte Form der Präsenz hindeuten können." Chiara Vecchiarelli

[Quelle: Abendzettel] www.hebbel-am-ufer.de
Darsteller
Standorte
MCB HZT
Reihe
Aufnahmedatum
Samstag, 03. November 2012
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Walter Bickmann
Länge
107 min