INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-6288

FindeOrte

Beschreibung

DE
In Wirklichkeit ist mein Körper stets anderswo, er ist mit sämtlichen ”šAnderswos' der Welt verbunden, er ist anderswo als in der Welt. (Michel Foucault)
Inspiriert von den Radiobeiträgen Der utopische Körper und Die Heterotopien des französischen Philosophen Michel Foucault, wird der Körper in der Choreografie zu einem Hybridbegriff: er ist Ausgangspunkt zur Welt und verbindet uns mit ihr. Zugleich ist er Ort der Sehnsucht, des Begehrens und der Phantasie, Quelle des Utopischen, das den Blick auf den Körper in seiner gnadenlosen Realität und Vergänglichkeit verstellt.
In FindeOrte legen wir diesen Blick frei und geben den utopischen wie realen Qualitäten des Körpers Raum. Von ihm erzeugte Bilder und Phantasmen prallen in der Choreografie auf seine bloße Dinghaftigkeit. Er ist Anschauungsobjekt wie Akteur aller Utopien zugleich ' mag er allein oder im Austausch mit einem anderen Körper in Aktion treten.
Unsere Körper setzen sich den Worten des französischen Philosophen aus, lassen sich von ihm treiben und begehren auf. Sie setzen gegen die Realität der gehörten Sprache die bloße Präsenz. Auf der Suche nach dem einen Ort des Körpers, finden wir andere, viele Orte, die alle er sind.
Michel Foucault hat in den 1960 ́iger Jahren immer wieder für Culture France Radiobeiträge gehalten. So auch 1966, über den utopischen Körper und die Heterotopien. Während der Beitrag über die Heterotopien relativ schnell von Architekten entdeckt und publiziert wurde, dauerte es länger bis Der utopische Körper wahrgenommen wurde. Bis heute ist er aber immer noch eher eine Abhandlung, die Spezialisten kennen.
Wir haben den Beitrag zuerst auf einer CD gehört und waren fasziniert von seiner poetischen Kraft, seiner Vielschichtigkeit, seiner Klarheit und auch seiner Zeitlosigkeit. Foucault reflektiert etwas ganz Grundsätzliches, was jeden Menschen betrifft.
Noch nie gab es soviel Text in einem Stück von uns. Mit dem Einsatz von gesprochener Sprache, als ein wesentlicher Bestandteil eines Stückes, haben wir für uns Neuland betreten.
Einige Zeit, bevor wir praktisch begannen mit dem gesprochenen Text in der Stückentwicklung zu arbeiten, recherchierten wir Bewegungen, Sequenzen, von denen wir glaubten, dass sie einen abstrakten Körpertext liefern könnten, der ebenbürtig Foucaults Worten gegenübersteht.
Im Prozess des konkreten Zusammensetzens von Bewegung und Text stellten wir fest, dass all unser recherchiertes Material keinen Bestand hatte. Der Text forderte etwas anderes: ein Bewegungsmaterial, nahe am Körper, konkret aber nicht bebildernd, den Raum mit vielschichtigen Energien aufladend, mit dem Text zusammen voranschreitend, aber auf einer ganz eigenen Spur.
Ebenso verhielt es sich mit der Musik. Wir komponierten die Musik aus vorhandenem Material von James Blake und selbst aufgenommenen Sounds, in einem parallelen Prozess zur Bewegung, zum Text. Ebenso wie die Bewegung, der Tanz behauptet die Musik eine eigene Ebene, einen emotionale Raum, der den visuellen und den intellektuellen Raum erweitert!
Schließlich gibt es noch Videomaterial; authentische, fast schon dokumentarische Bilder von Körpern, die aus unserem Archiv stammen und durch den Schnitt komponiert wurden. Das Videomaterial ist integraler Bestandteil des Stückes, und schafft wie die Bewegung, der Text, die Musik einen eigenen Zugang zum Stück.
Bewegung'Text'Bild'Musik'der Raum: alles bildet für sich eigene Felder, "Körper", die ihren eigenen Verlauf haben, versuchen sich gegeneinander zu behaupten und eine Komplexität herzustellen, ohne sich gegenseitig "die Luft zu nehmen".
Das Stück ist wie ein Hörspiel, eine Installation, ein Tanzstück, ein philosophischer Exkurs, eine Auseinandersetzung mit dem eigenen utopischen Körper. FindeOrte. Jutta Hell & Dieter Baumann

GB
In reality, my body is always elsewhere, it is connected to ail, Anderswos' the world as it is elsewhere in the world. (Michel Foucault)
Inspired by the utopian Radiobeiträgen The Body and The heterotopias of the French philosopher Michel Foucault, the body in the choreography is a hybrid concept: it is the starting point for the world and connects us with it. He is also the place of longing, of desire and imagination, the source of the utopian, which obstructs the view of the body in its merciless reality and transience.
Find places we uncover in this view and give the utopian space of the body as real Qualitäten. He produces images and fantasies collide in the choreography at its very tangibility. It is a demonstration of how players of all utopias same time - he may alone or in interaction with another body to take action.
Our bodies are made up of words of French philosopher, drifting away from him and desire to. Set against the reality of the language belonged mere presence. Looking for one place of the body, we find others, many places that are all him.
Michel Foucault has held in the 1960 cent years and over again for France Culture Radiobeiträge. So also in 1966, about the utopian body and heterotopias. Was noticed during the post over the heterotopia was relatively quickly discovered and published by architects, it was not long until the utopian body. Until today, there is still more of a treatise, the specialists.
We have heard the first post on a CD and were fascinated by his poetic power, its complexity, its clarity and its timelessness. Foucault reflects Grundsätzliches something that affects everyone.
There has never been so much text in a piece of us. With the use of spoken language as an essential part of a piece, we have entered uncharted territory for us.
Some time before we started practice with the spoken text in the Stückentwicklung researched work, we movements, sequences, of which we believed that they could provide an abstract Körpertext, the gegenübersteht ebenbürtig Foucault's words.
In the process of assembling the actual movement and text, we found that all of our researched material did not last. The text called for something else: a moving material close to the body, specifically but not bebildernd the space charging itself with complex energies, together with the text of progressing, but on a completely separate track.
It was the same with music. We composed the music from existing material by James Blake and home-recorded sounds, for a parallel process of movement, text. Like the movement of dance music asserts its own layer, an emotional space that the visual and intellectual space is expanding!
Finally, there's video footage, authentic, almost documentary images of bodies that come from our archives and were composed by the cut. The video is an integral part of the piece, and work as the movement of the text, the music has its own access to the stucco.
Motion-picture-text-music-space: everything is for the own fields, "body", which have their own course of trying to assert themselves against each other and establish a complexity without each other "to take the air."
The play is like a radio play, an installation, a Tanzstück, a philosophical digression, an examination of the body's own utopian. Find places. Jutta Hell and Dieter Baumann

[Quelle: Abendzettel]

isrr

Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Jutta Hell, Dieter Baumann Video: Dieter Baumann
Standorte
MCB HZT
Reihe
Aufnahmedatum
Samstag, 14. April 2012
Orte
Stadt
Berlin
Land
DE
Kamera
Walter Bickmann
Länge
63 min