INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-1037

Neverland

Beschreibung

Emily Brontë, sagt der französische Tänzer und Choreograf Nasser Martin-Gousset, habe so inbrünstig von der Liebe geschrieben, obwohl sie selbst nie eine Affäre gehabt und überhaupt gänzlich von der Männerwelt abgeschirmt gelebt habe. Denn Liebe, zumindest romantische Liebe, sei eben genau das: ein reines Produkt der Fantasie. "Neverland" heißt das Stück, das Martin-Gousset und seine Pariser Compagnie La Maison beim "Tanz im August" in der Schaubühne zeigen. Brontës "Sturmhöhe" und "Vom Winde verweht" bilden das Ausgangsmaterial für eine Arbeit, die alles mit allem kreuzt, Video-Experiment und Seifenoper-Trash, Tanz, Schauspiel und Gesang. Es geht um die Liebe, die Martin-Goussets Lebensthema zu sein scheint, um die Infantilität romantischer Liebesvorstellungen, um die Unfähigkeit, erwachsen zu werden.

Drei Jahre, von 1993 bis 1996 tanzte Nasser Martin-Gousset in der Compagnie von Sasha Waltz. Er war ihr Partner in "Twenty to eight", in "Tears break fast" und "All ways six steps". Es passiere so viel in ihren Stücken, sie verstehe nicht, wieso die Liebesduette von Publikum und Kritik so sehr herausgehoben würden, stöhnte damals Sasha Waltz. Aber so lange sie und Martin-Gousset gemeinsam auf der Bühne standen, zogen sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Von den merkwürdig comicartigen, ruckelnden Figuren, die Waltz damals erfand, ist keine so sehr in Erinnerung geblieben, wie die von Martin-Gousset.

Auf ähnliche Weise sieht man Martin-Gousset sich jetzt durch "Neverland" bewegen. Den Rücken steif, die Bewegungen abgehackt, wie abgeschnitten. Eine Marionette einerseits und andererseits ganz und gar von finsterster Heathcliff-Leidenschaft durchpulst, braucht er gemeinsam mit Cathy (Barbara Manzetti) keine drei Minuten, um von der ersten sehnsüchtigen Annäherung bis zum tragischen Ende eine ganze Liebesgeschichte durchzuspielen. Überall auf der Bühne sind Kameras aufgestellt, die mal verfremdet, mal mit pathetischen Landschaftsaufnahmen überblendet, auf die Bühnenrückwand projiziert werden. (Quelle: Berliner Zeitung vom 26.8.02)
Aufzeichnung im Rahmen des Internationalen Tanzfests.

Regie
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Samuel Dutertre, Sophie Lenoir, Barbara Manzetti, Nasser Martin-Gousset, Barbara Schlittler
Standorte
MCB
Reihe
Aufnahmedatum
Samstag, 24. August 2002
Orte
Stadt
Berlin
Land
DE
Länge
70 min