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Vom Süßen Jenseits - eine einfache geschichte

Beschreibung

- eine einfache geschichte -
Berlin, März 2008:

Inszenierung in installativem Bühnenraum zu Fragen von persönlicher Katastrophe, Schuldzuweisung und erwachsenen Lebensmodellen mit 4 Schauspielern & 7 Jugendlichen, basierend auf Atom Egoyans Film The Sweet Hereafter, als Ausgangsmaterial für einen offenen Prozess: Von Jugendlichen und Erwachsenen, von Schauspielern und Strategien der Glaubwürdigkeit.

1997 gewinnt Atom Egoyans THE SWEET HEREAFTER den Großen Preis der Jury in Cannes, wird danach mit Regie und Drehbuch für zwei Oscars nominiert und schließlich unter die zehn besten kanadischen Filme aller Zeiten gewählt. In einer raffinierten Dramaturgie von Vorschau und Rückblende erzählt er eine einfache Geschichte: In der kanadischen Provinz verunglückt im Winter auf vereister Landstraße ein Schulbus mit allen Kindern des Dorfes. Er rutscht auf den malerisch zugefrorenen See und bricht ein. Alle Kinder ertrinken. Nur eine Jugendliche und die Fahrerin überleben. Daraufhin versucht ein Anwalt aus der großen Stadt eine Klage auf Schadensersatz durchzubringen, indem er den Eltern darin ein Ziel für ihre Verzweiflung verspricht. Parallel dazu bekommt man die Rückseite der trauernden Gemeinschaft gezeigt: Wie sich die Visionen und Sehnsüchte der Erwachsenen in fadenscheinige Kompromisse verwandelt hatten und ihre Kinder als Projektionsflächen für fehlenden Sinn im eigenen Leben herhalten mußten. Komplexe Psychologie vor Breitwandbildern berückend schöner Natur, kühle Darstellung von Menschen im Zentrum ihrer persönlichen Katastrophe. Zum Schluß kommt es zum entscheidenden Show-Down zwischen dem gewieft-manipulativen Anwalt und der einzigen überlebenden Jugendlichen: Von ihrer Zeugenaussage hängt es ab, ob der Prozess eröffnet werden kann, ob sich die erwachsenen Mechanismen von Verdrängung und Schuldzuweisung durchsetzen werden. Oder ob für die Zurückgebliebenen etwas anderes, neues vor dem Verlust der Kinder entstehen kann. matthaei & konsortennehmen diese Erzählung als Ausgangsmaterial für einen offenen Prozeß mit einem gemischten Cast von Jugendlichen zwischen 14 bis 19 Jahren und vier Schauspielern, die deren Eltern sein könnten: Welche Rollen glauben die Jugendlichen den Erwachsenen ' in der Erzählung und im Leben? Wen besetzen sie um? Welche Spiele der Erwachsenen sind für sie interessantes Material, um eine eigene Vorstellung ihres Lebens zu inszenieren? Und mit welchen Mitteln und Tricks reagieren die Schauspieler, um sich als glaubwürdige Figuren, vielleicht sogar als Vorbilder anzubieten? VOM SÜSSEN JENSEITS verwebt das fiktive Material mit einer dokumentarischen Beweisaufnahme. Zwischen konservativem Familien-Backlash und verzweifelt-fröhlicher Flexibilisierung aller Privatbeziehungen ' wie entscheiden sich diese Jugendlichen und welche Rollen finden die Schauspieler, die ihnen dann passen? So trüb ist die Stadt von den Freunden entleert, ich kann nicht vergessen, dass mir ward verwehrt, all die schönen Dinge zu sehen, vom Rattenfänger auch für mich vorgesehen.

[Quelle: http://www.matthaei-und-konsorten.de/projekte/vom-sussen-jenseits/]

cru

Regie
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Sonntag, 30. März 2008
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Andrea Keiz
Länge
153 min
Schlagworte