INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

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UND THEATER

MCB-TV-558

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Autorenschaft
Beschreibung

Aufzeichnung in zwei Teilen, schlechte Tonqualität an der Schnittstelle. TV-Regie: Andreas Missler-Morell.

1941 schrieb Bertolt Brecht im finnischen Exil das Drama "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Darin erzählt er die Machtergreifung Hitlers sowie die systemische Verzahnung von Politik und Wirtschaft im Faschismus; er legt die Handlung im Chicago der 1930er Jahre an und verfremdet sie dadurch zur "lehrstückhaften Parabel".
Das Stück ist nicht durch Akte sondern einzelne Szenen in Montage mit Songs strukturiert; es verzichtet bewußt auf einen eindeutigen Schluß, um dem Zuschauer die Problemlösung und das Ziehen von Konsequenzen zu überlassen. Biografisch besonders deutlich an Hitler angelehnt sind die Szenen Ui's mit seinem Schauspiellehrer Mahonney, welcher ihm Unterricht zum Zweck des eindrücklichen Auftretens vor der Öffentlichkeit erteilen soll. Das historische Vorbild dieser Figur war der Provinzschauspieler Basil, welcher ebendiese Aufgabe in der Realität erfüllte. Weitere Charaktere sind ebenfalls deutlich an historische Vorbilder (Dollfuß, Goebbels, Göring, von Hindenburg, Hitler, van der Lubbe, von Papen, Röhm) angelehnt.

'Müller besetzte einen Schauspieler als Arturo Ui, der frühere Darstellungen gewiß nicht vergessen macht, aber eine von unverwechselbarer Originalität hinzufügt. (...) Martin Wuttke ist frappierend differenziert und bricht die Figur virtuos. Noch eben ein Nichts von der Straße, ein schlampiges, erbärmliches Würstchen, schon der energische, hinterhältig gefährliche Bandit. Mal gefühlig weich sinnierend, mal eiskalt rational kalkulierend. Von hinreißender Komik sein Unterricht beim Schauspieler Mahonney, dem der greise Bernhard Minetti die hohe und zugleich wunderbar skurrile Würde eines alten Mimen verleiht. Nach dieser Lektion hält Ui, noch unsicher das eingeübte Gebaren ausprobierend, in Hitlers Diktion fallend, seine demagogische Ansprache. Schaurig-grotesk. Kaum zu überbieten. Doch wie er sein Geschlecht sucht, nachdem er der politischen die männliche Verführung der Mrs. Dollfeet folgen lassen wollte, ist das von fast noch entlarvenderer Komik.' (Quelle: Neues Deutschland)

Berühmt wurde insbesondere die Hakenkreuz-Pose Wuttkes: ein Mensch wird zum Symbol.
Die VHS-Master sind in Teil 1 und 2 separiert.
Ebenfalls im Archiv die Aufzeichnung einer Inszenierung der beiden Brechtschüler Palitzsch und Weckwerth aus dem Jahr 1974 auf TV - 950.
(dS)

ZE vorhanden.

Regie
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Darsteller
Martin Wuttke, Hermann Beyer, Volker Spengler, Martin Seifert, Stefan Lisewski, Bernhard Minetti, Margarita Broich, Dieter Knaup, Traute Hoess, Michael Gerber, Veit Schubert, Hans Fleischmann, Georg Bonn, Jörg Michael Koerbl, Michael Gerber, Hans-Peter Reinecke, Klaus Hecke, Axel Werner, Heinrich Butchereit, Victor Deiß, Thomas Wendrich, Klaus Hecke, Uwe Preuß, Ruth Glöss, Uwe Steinbruch, Marlene Marlow
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Montag, 01. Januar 1996
Kamera
Michael Donecker
Orte
Stadt
Berlin
Land
DE
Länge
143 min
Schlagworte