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MCB-TV-1544

Samuel Beckett Biographie - ' Lippen schweigen ' Teil 1+2

Beschreibung

Die filmische Biografie in zwei Akten zeichnet das Leben und Werk des Dramatikers und Romanciers Samuel Beckett in seiner ganzen Radikalität nach. Not und Elend sind in Becketts Werken immer präsent. Seine Protagonisten haben keine Perspektive, häufig sind sie in ihren Körpern gefangen und konfrontiert mit sich selbst. DER ERSTE TEIL der Dokumentation schildert Becketts Lebenssituation bis zu seinem 30. Lebensjahr, als er seine Heimat Irland für immer verlässt. Die Qual des Daseins und die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz sind die immer wiederkehrenden Themen des Dramatikers und Romanciers Samuel Beckett, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Not und Elend sind bei Beckett lebensbeherrschende Elemente. Seine Figuren sind Menschen in der Katastrophe. Gestalten, denen nicht zu helfen ist, die keine Perspektive haben, konfrontiert nur mit sich selbst. Aber Becketts Hoffnungslosigkeit ist komisch, manchmal sogar fröhlich. Seine Figuren sind über die Illusionen des Daseins hinaus. Becketts zentrales Motiv ist der in seiner Erstarrung gefangene Körper. In „Murphy", Becketts erstem Roman, ist der Held nackt an seinen Schaukelstuhl gefesselt. Im legendären „Endspiel" muss der Protagonist Hamm von Clov im Rollstuhl herumgefahren werden. In „Glückliche Tage" ist die alternde Winnie zunächst bis zur Brust, dann bis zum Hals eingebettet. Ein Ausweg aus diesem in postapokalyptische Szenarien eingewobenen Dasein bleibt Becketts Figuren verwehrt. Das Theaterstück „Warten auf Godot", mit dem Beckett in den 50er Jahren berühmt wurde, beginnt mit den Worten: „Nichts zu machen". In „Murphy" markiert der Einleitungssatz „Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf das Nichts des Neuen" die ewige Wiederkehr des Immergleichen. Becketts Helden dürfen allein im Sprechen - als Stimme - Präsenz zeigen.

Samuel Beckett, der 1969 den Literaturnobelpreis erhielt, verweigerte jegliche Erklärungen zu seiner Biografie wie zu seinen Werken. Dennoch lassen sich in vielen Texten immer wieder persönliche Erfahrungen und reale Begegnungen nachweisen. Der private Samuel Beckett war ein schweigsamer Eigenbrötler, der die eigene Verletzlichkeit zeitlebens zu verbergen wusste. Die protestantisch-irischen Eltern waren wohlhabend und Beckett wuchs behütet auf. Doch schon in seiner Kindheit fühlte er sich oft einsam. Von einem Zuschauer einmal befragt, ob er denn von seinem Vater ständig misshandelt worden sei, dass er in seinen Werken eine solch düstere Welt entwerfen müsse, antwortete Beckett, Elend und Not müsse man nicht selbst erfahren, um sie täglich sehen zu können. Goggo Genschs Dokumentation zeigt Samuel Beckett als einen sanften Melancholiker und heimlichen Romantiker, der sich aus langen Jahren der Erfolglosigkeit eine Unabhängigkeit und Freiheit erarbeitet hatte, die ihm über alles ging und die er radikal in seiner Kunst umsetzte. Den einmal erworbenen künstlerischen Überzeugungen folgte er unbedingt, bisweilen zwanghaft und rücksichtslos, obwohl ihn enge Freunde als bescheiden und rücksichtsvoll erlebten. Freunde und Arbeitskollegen wie der Kunsthistoriker Werner Spies, die Regisseure Sir Peter Hall, Michael Colgan und Walter Asmus erzählen in der Dokumentation von ihren Begegnungen mit Beckett. Außerdem kommt sein autorisierter Biograf James Knowlson zu Wort. Die Schauspieler Horst Bollmann und Klaus Herm erinnern sich an die Arbeit mit dem Regisseur Beckett am Berliner Schiller Theater. Und der frühere Fernsehspielchef Reinhart Müller-Freienfels berichtet über seine Erlebnisse mit Samuel Beckett als Fernsehregisseur. DER ZWEITE TEIL der Dokumentation beschreibt Becketts literarischen Erfolg, der schlagartig mit seinem wohl berühmtesten Drama "Warten auf Godot" einsetzte. Im Alter von 30 Jahren verließ Beckett seine irische Heimat für immer. Das frömmlerische geistige Klima dort war ihm zu eng, zu intolerant. Seine Heimat wurde - mit Unterbrechungen - Paris. Dort fand er Zugang zum Künstlerkreis um seinen Landsmann James Joyce, der ihm "beibrachte, was künstlerische Integrität ist". Gleichwohl war es die Lektüre der Romane Marcel Prousts, die Becketts Schreiben nachhaltig prägte. Die Wirklichkeit seiner Romanfiguren ist, was ihre Erinnerung hergibt. Ob in seinen Romanen oder im Theater, Beckett arbeitete gegen alle erzählerische oder dramatische Konvention. Er reduzierte alles Äußerliche, Welthaltige immer mehr, bis nichts übrig blieb als ein einzelnes, sinnlos vor sich hin sprechendes Bewusstsein. Seine späte Prosa ist mehr Musik als Inhalt. Als der Erfolg mit dem Drama "Warten auf Godot" auf einen Schlag kam, verweigerte Beckett Auftritte in der Öffentlichkeit und gab kaum noch Interviews. Er schrieb auf Französisch, arbeitete jedoch immer wieder in Deutschland, verfasste und inszenierte Fernsehspiele für den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Den Schauspielern gab er akribische Regie-Anweisungen, die er auch schriftlich ausarbeitete und die eher Partituren glichen als Texten.
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Regie
Darsteller
Samuel Beckett, Werner Spies, Klaus Herm, Erika Tophoven, James Knowlson, Walter Asmus, Lev Leventhal, Aime Bonnely, Michael Colgan, Horst Bollmann, Roger Blin, Walter Boehlich, Alec Reid, Peter Hall, Reinhart Müller - Freienfels
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Samstag, 01. Januar 2005
Stadt
Paris, London, Berlin
Land
DE / GB / FR
Kamera
Eva Gensch
Länge
88 min
Schlagworte