INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-SV-7489

MS Schrittmacher: Anita Berber - Rekonstruktionen

Beschreibung

Lecture Performance im Rahmen von ANITA BERBER RETRO/PERSPEKTIVE -
Ein TANZFONDS ERBE Projekt

Anita Berber, Tanzikone der zwanziger Jahre, kennen die meisten heute nur noch von ihren Skandalen, Rosa von Praunheims Film oder dem morbiden Portrait, das Otto Dix von ihr malte. Dabei war Anita Berber in den goldenen Zwanzigern ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Star. Wie keine andere hat sie die Sichtweise ihrer Zeit gebrochen und damit ihr Publikum auf die Probe gestellt. Gehasst und geliebt von der Öffentlichkeit setzte die Sacchetto-Schülerin ihre Themen mit technischer Perfektion immer radikaler um.

MS Schrittmacher begeben sich in ANITA BERBER ' RETRO/PERSPEKTIVE auf die verlorene Spur der Tänzerin und Choreographin. Anita Berbers Werk jenseits der Skandale steht dabei im Vordergrund des umfangreichen Recherche- und Rekonstruktionsprojektes, dessen Ergebnisse vom 18.06 bis 29.6. im Kunstquartier Bethanien gezeigt werden.

MS Schrittmacher erforschen die Welt der Anita Berber aus tänzerisch/choreographischer Sicht, spüren ihrer künstlerischen Handschrift, sowie ihrer Arbeitsweise nach und nähern sich so ihr selbst.

Neben der Sichtung biographischer Literatur, fachspezifischem und zeitgenössischen Schriftgut der 20er Jahre, stützt sich die Recherche auf das Deutsche Tanzarchiv in Köln und das Anita Berber Archiv in Berlin, wo Martin Stiefermann den schmalen Band "Anita Berberová ' Studie" des tschechischen Choreographen und Autors Joe Jenčík entdeckte.
Dieser beschreibt in einzigartig genauer sowie emotionaler Weise Dramaturgie und Wirkung der Berberschen Choreographien. MS Schrittmacher veröffentlichen Jenčíks Studie aus dem Jahr 1930 im Rahmen von ANITA BERBER ' RETRO/PERSPEKTIVE erstmalig in deutscher Sprache.

Mit Jenčíks Studie als Grundlage rekonstruiert der Choreograph Martin Stiefermann gemeinsam mit der Tänzerin Brit Rodemund ausgewählte Soli der Anita Berber. Ziel ist es, dem originären Werk der Berber und ihrer künstlerischen Radikalität, mit einem Blick von Heute, so nah wie möglich zu kommen. Nach der erfolgreichen Präsentation erster Ergebnisse dieser Arbeit im Januar 2014 entwickeln Martin Stiefermann und Brit Rodemund ihre Rekonstruktionsarbeit zu Anita Berber weiter und zeigen diese in einer weiteren Lecture Performance im Kunstquartier Bethanien, Anita Berbers Sterbeort.

Basierend auf diesen Rekonstruktionsresultaten entwickeln MS Schrittmacher mit drei Tänzerinnen/Schauspielerinnen eine Tanzperformance, welche das Schaffen und die Arbeitsweise der Tänzerin und Choreographin Anita Berber in den Mittelpunkt stellt. Zitate von Zeitzeugen, Zeitungsartikel und Rezensionen berichten von dem pulsierenden, ruhelosen Dasein Anita Berbers, dass keine Grenzen kannte und dessen Erlebnisse die Tänzerin unmittelbar in Bewegung und Tanz umsetzte. Anita Berber als kunstvolles offenes Buch, ein getanztes Leben ohne Distanz.

Auch Anita Berbers umfangreiches Filmschaffen soll in der Retro/Perspektive gewürdigt werden. Hierfür haben MS Schrittmacher den für seine innovativen Stummfilm Live-Sets bekannten DJ D'dread gebeten den allerersten Episodenfim "Unheimliche Geschichten", in dem Anita Berber sämtliche weibliche Hauptrollen spielte, zu vertonen und damit ins Heute zu holen.

Schließlich stellen MS Schrittmacher sich und anderen Kreativen im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage nach den Erben Anita Berbers. Wie sieht künstlerische Radikalität heute aus? Und wer sind ihre Protagonisten? Die Autorin, Performerin und Mitherausgeberin des Missy Magazins, Margarita Tsomou, diskutiert mit den internationalen Performerinnen und Choreographinnen Beatrice Cordua, Nezaket Ekici und Florentina Holzinger.
Ein Blick zurück, nach vorn.

[Quelle: www.msschrittmacher.de]

jup

Regie
Choreographie
Darsteller
Brit Rodemund, Martin Stieferman, David Schwarz
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Sonntag, 29. Juni 2014
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Walter Bickmann, Doris Kolde
Länge
76 min