INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-9019

Buddy bodies

Beschreibung

Buddy Bodies 

I. Buddy Bodies ist der Titel eines Solo/Duo-Abends mit 5 Stücken von Dieter Heitkamp und Helge Musial. Es tourte international u.a. in Italien, Frankreich und Hong Kong. Das Stück kann als einer der ersten Abende im deutschsprachigen Raum gelten, das sich mit Männerbildern und homosexueller Männlichkeit im Tanz auseinandersetzt. Zwischen klischeehaften Männerbildern und Kumpelhaftigkeit, zwischen verhaltener und offener Sexualität werden Stereotype karikiert. Über Contact Improvisation und Parodien anderer Bewegungsstile wird eine je spezifische Körperlichkeit ausgestellt und humorvoll in Szene gesetzt.


1. Rapid Eye Movement 

Über einen Projektor ist ein Timecode im Rücklauf zu sehen. Bei Null angekommen, wird dieser abgelöst durch Projektionen von vier Händen, die sich berühren, zurückziehen, Schere-Stein-Papier spielen. Zwischen Gestik nicht direkt lesbarer Bewegung wird diese zu einer komplexen Choreographie der Hände, die nach einer Weile in einen Körperscan wechselt. Schließlich ist eine gehende Person in Stills zu sehen, die in die reale Person Dieter Heitkamps überblendet wird. In rotes Lichts getaucht folgt sodann ein kurzes Solo von Heitkamp, das durch Industrial Music begleitet wird, und in dessen Verlauf die einfache, jedoch durchchoreographierte Bewegung des Gehens in all ihren Variationen durchgespielt wird.

Der zweite Teil beginnt mit einem Solo von Helge Musial: athletische, turnerische Bewegungssequenzen auf drei aneinandergereihten Matratzen, das Material wird aus Contact Improvisation und Sportübungen generiert. Nach einiger Zeit kommt Dieter Heitkamp hinzu, beide tragen helle Hosen, dunkles Sport-Shirt, Turnschuhe, auch das nachfolgende Duo findet wiederum auf den Matratzen statt und ergänzt die Solosequenz um Hebungen.

Es folgt ein Duett zur Musik von Prokofievs "Romeo und Julia"-Suite, überlagert durch ein Band, das im Hintergrund die Stimmen einer Trainingsklasse abspielt. Die Paraphrase des klassischen Balletts, hier von zwei Männern getanzt, benutzt das Vokabular des klassischen Balletts um gerade anhand dessen bestimmte dieser Bewegungsform eingeschriebenen Männlichkeitsbilder zu betonen als auch zu unterlaufen oder zu konterkarieren. Das Bewegungsmaterial wird jedoch durch Elemente aus der Contact Improvisation u.a. weiterentwickelt, Synchronisierungen und Hebungen wechseln sich ab.

In der letzten, relativ kurzen Sequenz sitzen die beiden einander gegenüber und rollen auf einer Schiene eine Kugel hin und her. Das Geräusch bestimmt den Raum. Das Spiel wird jäh durch die komplette Verdunklung unterbrochen.

Pause


2. Der Hirnficker

Das Solo von Dieter Heitkamp wurde bereits im Rahmen von Im Dutzend billiger 1983 präsentiert.

Man sieht Dieter Heitkamp mit dem Rücken zum Publikum kopfüber auf einem Marcel-Breuer-Stuhl balancierend; im Hintergrund schwingt ein Pendel an einem langen Kabel hin und her. Die Entwicklungen des Bewegungsmaterials suggerieren eine psychotische Vorstellungswelt, es scheint als würde die Figur verschiedene Zustände durchleben, Dinge sehen, die nur ihr zugänglich sind. Das Bewegungsmaterial ist gekennzeichnet durch die Isolation von Bewegungen der einzelnen Körperteile, kurze plötzliche Drehungen und Bewegungen, die an zwanghafte Ticks erinnern.


3. Boxtrott

Das Solo von Helge Musial (in kurzer Sporthose und -hemd) variiert bestimmte Männlichkeitsstereotypen des Sports; es karikiert sie durch Übersteigerung und Kontrapunktik.

Das Solo fand später Eingang in Dieter Heitkamps Gruppenstück Sieg der Körperfreuden (1985).

Ein kurzes Intermezzo im Gegenlicht mit einem langen Stab, der unterschiedlich – als Kampfinstrument, als Mikrophon u.a. – eingesetzt wird. Zu flackerndem Stroboskoplicht ist  Stimmengewirr im Hintergrund zu hören. 


4. Walk the Dog (Laurie Anderson)

Das Stück zur Musik von Laurie Anderson erinnert an Vaudeville oder an eine kabarettartige Einlage. Die beiden Tänzer bewegen sich teilweise synchron, teilweise aufeinander respondierend. Von nachahmenden Hundebewegungen über clowneske Artistik oder Überhöhungen von genderspezifischen Klischees wird hier eine parodistische und virtuose Bewegungsfolge in Szene gesetzt. Schnelle Wechsel im Bewegungsmaterial und die direkten Korrepondenzen zwischen den Tänzern tragen zu diesem Eindruck bei.


5. Zwei Herren und ein Saxophon

Dies ist ein Contact-Duett, bei dem Helge Musial zudem mit Saxophon die Szene begleitet und das Instrument zunehmend – fast als dritter Tanzpartner – mit einbezogen wird. Die Möglichkeiten und Einschränkungen, die daraus resultieren, bestimmen die Choreographie, ebenso reagiert aber auch die Musik selbst auf Bewegungsimpulse.

Inventarnummer der Akademie der Künste: AVM-33 10100 (https://archiv.adk.de/objekt/2926493)

Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Musik
Video
Standorte
MCB
Reihe
Sprache
de
Aufnahmedatum
Sonntag, 01. Januar 1984
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Länge
56 min