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Irmtraut Franke und das himmlische Abenteuer

Beschreibung

Irmtraut Franke und das himmlische Abenteuer

I. Irmtraut Franke und das himmlische Abenteuer ist das erste abendfüllende Stück von Sabine Lemke, das 1986 Premiere hatte. In dieser Tanztheater-Produktion widmet sich Lemke, gemeinsam mit den Tänzerinnen Claudia Feest, Dagmar Ohl, Claudia Schadt und Riki von Falken fünf unterschiedlichen Frauen und ihren Geschichten, ihren Wirklichkeiten, Träumen und Gemeinsamkeiten.1

„Wenn sie verrückt ist, wird es möglich für sie, sich ganz allein zu amüsieren“2 ist über der Einladung zu lesen. Das Stück blickt mit viel Humor und Selbstironie auf die Generation von Lemkes Mutter und deren Spießigkeit; herausgekommen ist ein humorvolles Tanztheaterstück à la Pina Bausch. Die Tänzerinnen besitzen „eine beim Tanztheater sehr seltene Eigenschaft: sie haben Humor und können sich und ihre Anliegen auch mal ironisch auf die Schippe nehmen."3

Inspiriert vom Surrealismus, insbesondere von der Künstlerin Leonora Carrington und den Texten von Unica Zürn, die sich durch die Produktion ziehen, kreiert Lemke mit dieser Produktion „ein Stück Wirklichkeit, ein Stück Traum – verrückt und der Wahrheit erschreckend nahe“4

Irmtraut Franke thematisiert weder die Gleichberechtigung noch die Emanzipation der Frau, es stellt eine viel essentiellere Frage: Wer bin ich? „Wie wohl wäre mir, könnte ich etwas sein, was weder Mann noch Frau sich nennen würde. Vielleicht würde Ich dann zu mir oder zu Dir kommen?“5 (Unica Zürn) Mit Irmtraut Franke und das himmlische Abenteuer schaffen Lemke und ihre vier Mit-Tänzerinnen ein surrealistisches Phantasie-Gebilde, eine Mischung aus Wirklichkeit, Alltag, Befreiung sowie essentiellen Fragen und Sehnsüchten des Lebens.

II. Düstere Orgelmusik erklingt in einem noch dunklen Raum. Langsam werden fünf Tänzerinnen sichtbar, die auf einer leeren Bühne umhergehen. Nur ein Raumteiler wie aus einem Krankenhaus steht am hinteren Bühnenrand in der Mitte. Die Tänzerinnen tragen helle Nachthemden und haben die Hände wie im Gebet vor ihre Brust gelegt. Sich Hin-knien, kreisende Bewegungen der Hände, synchrone Bewegungen, die mit gefalteten Händen, den Oberkörper hin und her wiegend, ausführt werden und ausgelassene Drehungen bestimmen das Bewegungsmaterial, bevor jede Tänzerin in sich versunken in wilde und ekstatische Gebärden verfällt.

Im folgenden Teil wird jeder Tänzerin ein Requisit zugeordnet: Der kindlichen Maria-Eugenia Meier (Schadt) eine Kuscheldecke, eine Trittleiter für die mondäne und schrille Olga Pamona (Ohl), ein Butterbrot für die biedere Irmtraut Franke (Lemke), eine Schachtel mit Seidenpapier für das Mauerblümchen Charlotte von Berge (von Falken) und ein Schlüsselbund für die unheimliche und herrische Anais Deleporte (Feest).6 Neben synchronen Bewegungen zu Rumba Musik erzählen die Charaktere mit ihren Requisiten im Solo ihre individuellen Geschichten. Parallel zu tänzerischen Szenen, die klassische Elemente des Modern Dance im Stile von Mary Wigman und Ruth St. Denis7, sind Tanztheater-Elemente in Bausch'scher Manier montiert. Darüber hinaus werden die Texte von Zürn in die Handlung eingewebt.

Zuletzt finden sich die fünf Tänzerinnen (in Trenchcoats) in einer Art  ritualistischem Hexentanz wieder. Dieser Teil ist von ausgelassenen Drehungen und schwungvollen Bewegungen geprägt, und wird begleitet von rhythmischer intensiver Musik.

Im ersten und letzten Teil wurde bei der Aufführung ein Vorhang aus Gaze zwischen die Zuschauer und die Bühne gezogen8, der bei dieser Aufnahme nicht zu sehen ist.

NB: Teile der Hintergrundinformationen stammen aus einem Gespräch mit Sabine Lemke, geführt am 05.07.2017 sowie einer Korrespondenz am 05.09.2017.

 Archivsignatur der Akademie der Künste: AVM-33 10146 (https://archiv.adk.de/objekt/2928579)


1Jenke, Eva: „Irmtraut Franke und das himmlische Abenteuer – Hommage an Tanz und Frauen“, in: o. A., Datum o. A., S. o. A.. 

2R., H.: „Fünf Frauen, und jede für sich – Sabine lemkes erstes eigenes Stück in der Tanzfabrik“, in: o. A., Datum o. A., S. o. A..

3o. A. 

4Fink, Vibeke: „Wahnsinn des Lebens Irmtraud Franke – ver-rückte Wirklichkeit in der Tanzfabrik“, in: Zitty (4/86), Datum o. A., S.61. 

5Zürn, Unica, in: Fink, Vibeke: „Wahnsinn des Lebens Irmtraud Franke – ver-rückte Wirklichkeit in der Tanzfabrik“, a. o. O. 

6Buchholz, Gudrun: „Fünf verdrehte Frauen Sabine Lemkes erstes Stück in der Tanzfabrik“, in: o. A., Datum o. A., S. o. A..

7Fink, Vibeke: „Wahnsinn des Lebens Irmtraud Franke – ver-rückte Wirklichkeit in der Tanzfabrik“, in: Zitty (4/86), Datum o. A., S.61. 

8Buchholz, Gudrun: „Fünf verdrehte Frauen Sabine Lemkes erstes Stück in der Tanzfabrik“, in: o. A., Datum o. A., S. o. A..

Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Standorte
MCB
Reihe
Sprache
de;fr;it
Aufnahmedatum
Mittwoch, 01. Januar 1986
Orte
Stadt
Berlin
Länge
62 min