INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-8988

Begegnungen II

Beschreibung

Begegnungen II 

I. Begegnungen II, eine Gemeinschaftsproduktion von Musikern und Tänzern der Tanzfabrik Berlin, ist ein gemischter Abend, der 1982 Premiere hatte. Begegnungen II knüpft an Begegnungen an, ein gemischter Abend, der bereits 1980 und 1981 aufgeführt wurde, und in dessen Fokus ebenfalls die Begegnung zwischen Tänzer*innen und Musikern auf der Bühne stand.

Dieser Abend gliedert sich in sechs kurze Stücke, an denen insgesamt drei Tänzerinnen (Jacalyn Carley, Sygun Schenck und Heidrun Vielhauer) sowie drei Musiker (Rüdiger Hürter, Bernard Jirku und Norbert Kirsten) in unterschiedlichen Konstellationen beteiligt sind und setzt die Idee von gegenseitiger Inspiration von Bewegung und Klang mit neuen Ideen und Schwerpunkten fort.1

Die Bewegung dient hier, vergleichbar den Tanztheateransätzen bei Pina Bausch und Reinhild Hoffmann, der Aufdeckung von festgefahrenen Klischees, doch haben die Tänzerinnen und Musiker der Tanzfabrik mit dem Zusammenspiel aus Tanz und Livemusik, „unter den zahllosen Variationen des Modernen Tanztheaters, eine eigene und neue Ausdrucksform gefunden.“2 Die Stücke sind auch hier, so wie in Begegnungen, in den Probenprozessen aus Improvisation heraus entstanden und wurden dann mehr oder weniger als strukturierte Improvisation festgelegt; die Tänzerinnen und Musiker haben gemeinsam an den Szenen gearbeitet3, und haben mit Mitteln „moderner und experimenteller Tanzformen eine Körpersprache […] entwickelt [...], die die Inhalte ihrer ausgedachten kleinen Geschichten ebenso unprätentiös wie oftmals auch witzig umschreibt. […]  Dass der stilisierte Tanz bis zur Absurdität reicht, setzen sie bewusst ein, um beim Betrachter Raum für Assoziationen und phantasievolles Mitdenken zu schaffen.4


II.

Improvisation 

(Dauer: 07:00 min) ; Tänzerin: Sygun Schenck; Musiker: Bernard Jirku

Es handelt sich bei dem Stück um eine tänzerisch-musikalische Improvisation, bei der sich Sygun Schenck und Bernard Jirku zunehmend über Techniken der Contact Improvisation in eine wechselseitige Begegnung zwischen Körper und Musik begeben. Zuerst tanzt Schenck allein, Jirku ist in sein Querflötenspiel versunken. Langsam beginnt sie sich auf ihn zu zubewegen, „provoziert ihn, schlängelt sich an seinem Körper hoch, lockt ihn in die Mitte des Raumes und beide veranstalten ein Pas de deux, das alle Spielarten von zärtlich, sanft, wütend und zurückweisend hat, von erster Liebe bis zu handfesten, körperlichen Zwistigkeiten.“5

Improvisation wurde bereits im Jahr 1981 in Begegnungen aufgeführt.  


Handtuch und Regenschirm

(Dauer: 13:00 min); Tänzerinnen: Sygun Schenck, Heidrun Vielhauer; Musiker: Rüdiger Hürter, Bernard Jirku; Choreographie: Sygun Schenck, Heidrun Vielhauer

Das Duett zwischen Sygun Schenck und Heidrun Vielhauer wird von Rüdiger Hürter (Gitarre, Percussion) und Bernard Jirku (Querflöte) mit Livemusik begleitet. Verzerrte und verstärkte Klänge erzeugen eine Skurrilität, die durch Schencks und Vielhauers Choreographie intensiviert wird. Ganz in weiß gekleidet benutzen die beiden ein Handtuch und einen Regenschirm um sich die Sicht zu nehmen, aneinander zu ziehen oder mit dem jeweiligen Gegenstand zu tanzen. Alltägliche sowie verfremdete Verwendungen des Handtuchs und Regenschirms werden in ihre Bewegungen mit einbezogen. Der Umgang mit den Objekten verwandelt diese: das Handtuch wird zur Schärpe, zum Schal, zum Galgenstrick und der Regenschirm zur Waffe und zum Schlepphaken.6 Das Stück arbeitet mit Elementen des Tanztheaters sowie mit sketchartigen Szenen, die aus Stills, komikhafter Interaktion und dem Einbeziehen des Musikers in ihre Choreographie bestehen.


Solo Zopf

(Dauer: 04:30 min); Tänzerin: Heidrun Vielhauer; Musiker: Bernard Jirku; Choreographie: Heidrun Vielhauer

Begleitet von Bernard Jirku (Querflöte), tanzt Heidrun Vielhauer dieses Solo weiterhin in weiß gekleidet. Die erste Hälfte ist geprägt von langsamen Bewegungen, die durch ruckartige Positionsveränderungen gebrochen werden und in Bodennähe stattfinden. Vielhauer benutzt dabei ihren langen geflochtenen Zopf um sich in verschiedene Richtungen und in die Höhe zu ziehen. In der zweiten Hälfte werden die Bewegungen ebenso wie die Musik schneller; Vielhauer vollzieht Kreise und Drehungen mit weiten Armbewegungen und bewegt sich in wiederholenden Schwüngen von oben nach unten.


Ei

(Dauer: 08:00min); Tänzerin: Sygun Schenck; Musiker: Rüdiger Hürter, Norbert Kirsten; Choreographie: Sygun Schenck  

Das Tanztheaterstück wird von ruhiger, sphärischer Livemusik begleitet, wobei immer wieder Stille die Musik unterbricht. Die Bewegungen zentrieren sich um zwei Alltagsgegenstände – einen Becher und ein Ei – Alltagsbewegungen werden dabei mit grotesk wirkenden Bewegungen krabbelnd oder auf dem Rücken liegend verflochten. Mit einem auf ihrem Körper gelegten Ei rutscht und dreht Sygun Schenck sich durch den Raum, wobei sie die Position des Eis verändert oder es unter ihre Achsel klemmt, bevor sie es dann anfängt zu pellen.

Teile von Ei finden sich in leicht abgewandelter Form in dem abendfüllenden Stück Liebste Liebe (1984) von Sygun Schenck wieder.


Liebste Liebe

(Dauer: 12min ); Tänzer*innen: Rüdiger Hürter; Sygun Schenck; Heidrun Vielhauer; Musik: Rüdiger Hürter; Choreographie: Sygun Schenck

Liebste Liebe ist ein kurzes Tanztheaterstück, in dem sich drei Protagonist*innen als Familie begegnen. Das Stück spiegelt die Beziehungsdynamik von Tochter und Eltern, die neben Tanz und Theater auch durch Gesang und Sprache dargestellt wird. Anfangs wird Heidrun Vielhauer, in einem kurzen weißen Kleid, von den Eltern (Rüdiger Hürter und Sygun Schenck) wie eine Puppe behandelt. Die strengen Kostüme von Hürter und Schenck unterstreichen die Wirkung des konservativen und bestimmenden Elternpaares. Der Vater flechtet der singenden Tochter die Haare, die versucht sich durch Wegrollen der Situation zu entziehen, doch wird sie von der Mutter immer wieder zurückgetragen. Diese Unfreiheit zeigt sich noch deutlicher im zweiten Teil:

Zum Gesang des Vaters, der auf einem Stuhl mit Rollen sitzt, bewegt sich die Tochter in hingebungsvollen und ausgelassenen Drehungen sinnlich durch den Raum, doch sie gefriert beim Erklingen der Stimme der Mutter. Im letzten Teil bewegt sich die Tochter auf Zehenspitzen vorwärts-tippelnd und balancierend durch den Raum auf der Suche nach ihrer Unabhängigkeit.

Dabei wird sie jedoch verfolgt von den Eltern, die sie nicht loslassen und das Geschehen bestimmen.

Aus Liebste Liebe wurde 1984 ein abendfüllendes Stück von Sygun Schenck.


Zwei Zusammen

(Dauer: 10min ); Tänzerinnen: Jacalyn Carley, Heidrun Vielhauer; Musiker: Rüdiger Hürter; Choreographie: Jacalyn Carley, Heidrun Vielhauer

Das Duett von Jacalyn Carley und Heidrun Vielhauer findet auf einer Bühne statt, die ausschließlich von zwei mittig platzierten, dem Publikum zugewandten Stühlen bestimmt ist. Vielhauer sitzt frontal zum Publikum, Carley ist ihm seitlich zugewandt. Zwei Zusammen thematisiert das Rivalitätsverhalten zweier Frauen. „Aus dem Wettstreit der zwei Tänzerinnen um die Gunst des Publikums entwickelt sich ein dramatisches Spiel um das konkurrierende Verhalten unter Frauen.“7

Die Tänzerinnen bewegen sich unabhängig voneinander, in langsamen Bewegungen, die das Spiel mit der Kleidung mit einbeziehen, gefolgt von schnellen Armschwüngen, Drehungen (Vielhauer) und grotesken Zuckungen (Carley). Zeitweise setzt der Gesang Hürters ein, der wiederum von den Tänzerinnen durch Bewegungen des sich Zusammenkauerns, durch Stills und geklatschte Rhythmen begleitet wird. „Der Kampf der Frauen, der sowohl verhaltene subtile Bewegungsabläufe wie eine ungeheure dramatisch getanzte Aggressivität enthielt, spiegelte vielfach reale Verhaltensweisen wider.“8

NB: Teile der Hintergrundinformationen stammen aus einem Gespräch mit Sygun Schenck, geführt am 31.07.2017, sowie mit Heidrun Vielhauer, geführt am 16.08.2017 und einer Korrespondenz am 30.08.2017.

Inventarnummer der Akademie der Künste: AVM33 10001 (https://archiv.adk.de/objekt/2925897)


1Lerch, Gisela: „“Begegnungen 2“ - eine Gemeinschaftsproduktion von Musikern und Tänzern der Tanzfabrik“, in: Journal in III, 26.07.1982, Ort o. A., S. o. A..

2Ebd.

3G., G.: „BE//GEGNUNGEN Eine Gemeinschaftsproduktion von Musikern und Tänzern“, in: o. A., Datum o. A., Ort o. A., S. o. A..

4Kaps, Angelika: „Bis zur Absurdität „Begegnungen 2“ in der der Kreuzberger Tanzfabrik“, in: Der Tagesspiegel, 25.07.1982, Berlin, S. o. A..

5Jäschke, Bärbel: „“Begegnungen“ Eine Gemeinschaftsproduktion von Tänzern und Musikern“, in: RIAS – Treffpunkt – Spezial, 17.08.1981, Ort o. A., S. o. A..

6Kaps, Angelika: „Bis zur Absurdität „Begegnungen 2“ in der der Kreuzberger Tanzfabrik“, in: Der Tagesspiegel, 25.07.1982, Berlin, S. o. A..

7Lerch, Gisela: „“Begegnungen 2“ - eine Gemeinschaftsproduktion von Musikern und Tänzern der Tanzfabrik“, in: Journal in III, 26.07.1982, Ort o. A., S. o. A..

8Massoth, Margarethe: „Mit vielen Anregungen zum Mit- und Weiterdenken Vorwärtsweisende Symbiose von Tanz und Musik durch Improvisation“, in: Die Wahrheit, 28.07.1982, Berlin, S. o. A.. 

Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Musik
Standorte
MCB
Reihe
Sprache
de;en
Aufnahmedatum
Freitag, 01. Januar 1982
Orte
Stadt
Berlin
Länge
113 min