INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-8987

Begegnungen

Beschreibung

Begegnungen 

I.  Begegnungen ist eine Gemeinschaftsproduktion von Musiker*innen und Tänzer*innen der Tanzfabrik Berlin im Format eines gemischten Abends, der 1980 uraufgeführt wurde. Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine Aufführung vom 20. Juli 1981; der Abend besteht aus sechs kurzen Stücken, an denen insgesamt vier Tänzer*innen (Hanna Barczat, Sygun Schenck, Heidrun Vielhauer und Hendrik Terdenge) und drei Musiker (Rüdiger Hürter, Bernard Jirku und Norbert Kirsten) in unterschiedlichen Konstellationen beteiligt sind. Das Besondere an Begegnungen ist die wechselseitige Beziehung zwischen den Tänzer*innen und Musikern. Hürter, Jirku und Kirsten beziehen ihre Inspiration für das Zusammenspiel von Gesang, Gitarre, Percussion und Querflöte aus den Bewegungen der Tänzer*innen, die wiederum durch neue und überraschende Klänge improvisierte Bewegungen generieren.1 In den Probenprozessen, die einem Forschungslabor ähnelten, wurde das Material aus freien Improvisationen heraus entwickelt und dann mehr oder weniger als strukturierte Improvisation festgelegt. „Wenn Tänzer und Kreative in Gemeinschaftsproduktion zusammen treffen, kann das zu ganz neuen Symbiosen führen. Begegnungen heißt der Abend in der Kreuzberger Tanzfabrik, der in vielfältigen Brechungen das Wir- und das Ichgefühl einer in Bewegung geratenen Generation zu formen unternimmt.“2

Ein weiterer Abend, in dessen Fokus die Begegnung zwischen Tänzer*innen und Musikern auf der Bühne steht, folgte 1982 unter dem Titel Begegnungen II.


II.

Dance

(Dauer: 08:30 min); Tänzerinnen: Sygun Schenck, Heidrun Vielhauer; Musiker: Bernard Jirku, Rüdiger Hürter, Norbert Kirsten; Choreographie: Heidrun Vielhauer, Sygun Schenck (1980)

Das erste Stück des Abends ist ein Duett von Sygun Schenck und Heidrun Vielhauer mit den Musikern Bernard Jirku (Querflöte), Rüdiger Hürter (Gesang, Percussion und Gitarre) und Norbert Kirsten (Gitarre), die vom vorderen seitlichen Rand der Publikumsreihen die Choreographie mit Livemusik begleiten. Die Tänzerinnen bewegen sich in dem leeren Tanzraum und tragen einfache Trainingskleidung. Der erste Teil ist von vielen Drehungen mit weiten Armbewegungen, Läufen sowie großen Sprüngen durch den ganzen Raum gekennzeichnet, die vielfach synchron mit spielerischer Leichtigkeit ausgeführt werden. Im zweiten Teil erkunden die beiden Tänzerinnen intensiver die Architektur des Raumes, indem sie Wände, Heizkörper und Fensterbänke mit einbeziehen. Zugleich spielen sie deutlicher mit Tempovariationen und dem Kontakt zueinander.

Teile von Dance sind in Träume von einer schönen Haut von Heidrun Vielhauer von 1981 wiederzufinden.

Improvisation

(Dauer: 07:00 min); Tänzerin: Sygun Schenck; Musiker: Bernard Jirku

Es handelt sich bei dem Stück um eine tänzerisch-musikalische Improvisation, bei der sich Sygun Schenck und Bernard Jirku zunehmend über Techniken der Contact Improvisation in eine wechselseitige Begegnung zwischen Körper und Musik begeben. Zuerst tanzt Schenck allein, Jirku ist in sein Querflötenspiel versunken. Langsam beginnt sie sich auf ihn zuzubewegen, „provoziert ihn, schlängelt sich an seinem Körper hoch, lockt ihn in die Mitte des Raumes und beide veranstalten ein Pas de deux, das alle Spielarten von zärtlich, sanft, wütend und zurückweisend hat, von erster Liebe bis zu handfesten, körperlichen Zwistigkeiten.“3

Musik

(Dauer: 08:00 min); Musiker: Bernard Jirku, Rüdiger Hürter, Norbert Kirsten

Ein kurzes, rein musikalisches Stück, bei dem die Musiker mit Gesang, Percussion, Gitarre Querflöte auftreten.

Symbiose

(Dauer: 07:00 min) Tänzerinnen: Sygun Schenck, Heidrun Vielhauer; Musik: Béla Bartók Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta; Choreographie: Heidrun Vielhauer (1979)

Symbiose ist ein weiteres Duett zwischen Sygun Schenck und Heidrun Vielhauer, begleitet von dramatischer orchestraler Streichmusik (vom Band). Der Boden des verdunkelten Bühnenraums ist gänzlich mit Laub bedeckt. Die Tänzerinnen tragen hautenge glänzende Anzüge. Mit insektenartig anmutenden Bewegungen kriechen, krabbeln, robben und rollen sie durch das Laub, und erscheinen mit ihren zeitweise aufeinanderliegenden Körpern wie ein einziges vielgliedriges Wesen. Synchrone Stills und Stopps inmitten von Bewegungsabläufen betonen den Eindruck von kreatürlichem symbiotischen Miteinander.

Zwei zusammen

(Dauer: 11:30 min), Tänzer*innen: Heidrun Vielhauer, Hendrik Terdenge; Musiker: Rüdiger Hürter (Percussion); Choreographie: Heidrun Vielhauer (1981)

Das Duett zwischen Heidrun Vielhauer und Hendrik Terdenge findet auf einer Bühne statt, die ausschließlich von drei mittig stehenden Stühlen bestimmt ist. Leise Percussionklänge erzeugen eine spannungsvolle Atmosphäre, in der eine leidenschaftliche Beziehung zwischen Mann und Frau mit Mitteln des Tanztheaters verhandelt wird. Dabei stehen Hebungen, Anziehungen, Abstoßungen und Umarmungen unter Einbeziehung der Stühle im Vordergrund. Auf sanfte Berührungen folgen explosive gewaltvolle Handlungen.

Teile von Zwei zusammen finden sich in leicht abgewandelter Form in Heidrun Vielhauers Träume von einer schönen Haut wieder.

Thea

(Dauer: 21:00 min); Tänzerinnen: Hanna Barczat, Heidrun Vielhauer, Musik und Hörspiel: Live-Radio; Radiolesung aus dem Buch: Mein kleiner Kopf ist auch nicht ohne von John D. Fitzgerald;  Choreographie: Heidrun Vielhauer (1980)

Thea ist ein kurzes 3-teiliges Tanztheaterstück, in dem sich Hanna Barczat und Heidrun Vielhauer den Entwicklungen und Ambivalenzen einer Person, Thea, widmen.4 Zu Beginn sitzt Barczat in kindlicher Kleidung und vertieft in das Spiel mit einer Puppe auf einem Tisch. Aus dem Off erklingt ein Hörspiel. Dieser erste Teil endet mit einer Verkleidungsszene, in der Barczat die Kleider der Mutter anzieht. Der folgende Teil besteht aus einem Solo von Vielhauer als junge Thea, die sich in einem hellen kurzen Kleid mit weiten Armbewegungen, Schwüngen und Drehungen über die Bühne bewegt, aber von ihrer Mutter (Barczat) zurechtgewiesen wird.

Der dritte Teil schließlich zeigt eine reifere Frau in alltäglichen häuslichen Handlungen am Kaffeetisch. Barczat verkörpert die einsame Thea, die Angst vor dem Altern hat und von wehmütigen Erinnerungen an ihre Jugend erfüllt ist und von einer, Theas Jugend verkörpernden, Vielhauer zu wütenden Ausbrüchen provoziert wird. Die Szene endet in der Begegnung zwischen den beiden Frauen, die sowohl Konfrontation als auch Verbundenheit widerspiegelt. „Zum Schluss hat sich Thea mit Gegenwart und Vergangenheit arrangiert, beides wird eine Einheit.“5

Inventarnummer der Akademie der Künste: AVM33 10000 (https://archiv.adk.de/objekt/2925896)


1Jäschke, Bärbel: „“Begegnungen“ Eine Gemeinschaftsproduktion von Tänzern und Musikern“, in: RIAS – Treffpunkt – Spezial, 17.08.1981. 

2Rhode, Hedwig: „Bewegung im Halbtraum „Begegnungen in der Tanzfabrik““, in: Der Tagesspiegel, 19.07.1981, S. o. A..

3Jäschke, Bärbel: „“Begegnungen“ Eine Gemeinschaftsproduktion von Tänzern und Musikern“, in: RIAS – Treffpunkt – Spezial, 17.08.1981. 

4Ebd. 

5Ebd. 

Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Musik
Large avm33 10000   begegnungen    sarah kopie
Standorte
MCB
Reihe
Sprache
en
Aufnahmedatum
Montag, 20. Juli 1981
Orte
Stadt
Berlin
Länge
86 min