INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-8182

SOLO FÜR LEA

Autorenschaft
Beschreibung

Isabelle Schad: SOLO FÜR LEA
 
 
SOLO FÜR LEA beginnt damit, dass die Tänzerin Lea Moro den rechteckigen, schwarzen Raum betritt, der über dem Boden zu schweben scheint. Sie führt eine Reihe einfacher, repetitiver Gesten mit den Armen aus, die sie über dem Kopf und um sich herum hin und her bewegt, als würde sie in dem Raum um ihren Körper unsichtbare Linien und Formen nachziehen. Schon bald werden diese Linien sichtbar und auf ihrem Körper abgebildet, sie formen ihn um und zeichnen ihn neu. Sie bemächtigen sich des Körpers und geben ihm eine neue Gestalt.

Dadurch, dass dieses ‚Ansichnehmen'/Rekonstruieren das oberste choreografische Prinzip ist, wird die Erfahrung der Zuschauer_innen im Theater mit dem Zuschauen bei der Entstehung eines Gemäldes gleichgesetzt. Die Betonung liegt auf der zeichnerischen Qualität des Abbilds vom Körper: Der Körper selbst wird vor unseren Augen unscharf und wir betreten einen imaginären Raum, in dem sich die Performerin, der Raum um sie herum und das Publikum befinden.

Im Verlauf der Performance werden wir Zeug_innen der Entstehung von Formen, Konturen und Gesten, die sich enthüllen und bis zum Ende Gestalt und Form annehmen. Die Bewegungen sind in ihrer ständigen Wiederholung immer extrem präzise, minimalistisch und scharf. Es entsteht das Abbild eines sich in ständiger Bewegung befindlichen Körpers, der einem Organ gleicht, atmet, sich zusammenkrampft und nicht müde wird, neue Mehrfachdeutungen zu schaffen.

In der Arbeit von Isabelle Schad ist die Betrachtung des Körpers von Tanzenden als Organ oder räumliches Objekt ein häufig wiederkehrendes Motiv. Dieses Mal ist der Körper der Künstlerin selbst die Bühne: Aber für wessen Theater? Für welches Stück?

Das Schema dieses neu konstruierten Körpers lässt sich nicht fixieren. Es bleibt vergänglich, dahingehend, dass der Körper sich bewegt, arbeitet, zittert, widerhallt und einen immerwährenden Strom von Assoziationen auslöst. Die Erfahrung der Zuschauer_innen kann man als auf dem Terrain der semiotischen Vieldeutigkeit befindlich beschreiben. Glieder, Brüste, Gesicht, Haare und Haut weisen auf unterschiedlichste Bedeutungen hin, und Bewegungen sind um die Ebenen herum organisiert, die innere Zustände in Form von Prozessen mit einbeziehen, die ihre Bedeutung verändern. Aus diesen veränderten Bedeutungen konstituieren sich unsere Erfahrungen.

Um das Innere in Solo für Lea nach außen offenzulegen, muss zunächst das Unsichtbare mit dem Sichtbaren gleichgesetzt werden. Hier geschieht das, indem wir die gesamte Bewegung von innen nach außen verfolgen, die Verwandlung der verborgenen, unzugänglichen Zustände hin zu den äußeren, durch die Choreografie enthüllten visuellen Formen.
Sasa Bozic, Oktober 2016
 
 
// ENGLISH //
 
At the beginning of SOLO FOR LEA, performer Lea Moro enters the rectangular black space that seemingly floats above the ground. She performs series of simple, repeating gestures with her arms above and around herself, as if describing invisible lines and shapes in this space around her body. Soon those lines become visible, inscribed on her body, reshaping it, drawing it anew, the body itself will be reclaimed, reconstituted.

Insisting on this reshaping/reconstitution as a prime choreographic principle connects the experience of being in the theatre with that of witnessing a work of fine art. It is an accentuation of the drawing characteristic of the body image: the body itself becomes blurred in our eyes and we enter into some imaginary space which includes the soloist, space around her, and audience as well.

During the performance we witness the creation of shapes, contours and gestures, revealing themselves, tending towards figuration and appearances, reaching to the final image. In their perpetual quality the movements remain extremely precise, minimalistic and sharp throughout their reiterations, creating an image of a constantly vivid body, organ-like, which breathes, convulses, just doesn't want to stop creating new ambiguities.

The performer's body as an organ, perceived as a space, is a continuous subject in the work of Isabelle Schad. This time the performer's body appears as a stage: but for whose theatre? Which drama?

We cannot fix the schema of this newly organised body. It is always durational in that it moves, works, trembles, resonates, and never ceases to produce a flow of associations. The viewers' experience of this could be described as being in the terrain of semiotic ambiguities. Limbs, breasts, face, hair and skin turn on differences in signification, and movements are organised around plans incorporating inner states as processes to effect changes in meaning. These changes in meaning structure our experience.

To externalize the internal in Solo for Lea, the invisible first has to be equated with the visual. We find this here by following the overall trajectory from the inside to the outside, from private and inaccessible states to external, choreographically generated visual forms.
Sasa Bozic, October 2016
 
KONZEPT, CHOREOGRAFIE: Isabelle Schad
CO-CHOREOGRAFIE, PERFORMANCE: Lea Moro
DRAMATURGISCHE BEGLEITUNG: Sasa Bozić
SOUND: Damir Šimunović
LICHTDESIGN: Bruno Pocheron
TECHNIK: Bruno Pocheron, Mehdi Toutain-Lopez
KOSTÜM: Charlotte Pistorius
PRODUKTIONSLEITUNG: Heiko Schramm
 
Ermöglicht durch eine langjährige Zusammenarbeit mit Laurent Goldring.
Eine Produktion von Isabelle Schad in Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main und SOPHIENSÆLE.
 
Unterstützt durch Wiesen55 e.V., Espace Darja, Casablanca und Goethe-Institut Marokko.
 
[msb]

http://tanzforumberlin.de/977.php

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Choreographie
Dramaturgie
Darsteller
Kostüm
Musik
Licht
Standorte
MCB
Aufnahmedatum
Freitag, 14. Oktober 2016
Orte
Stadt
Berlin
Land
DEU
Kamera
Walter Bickmann
Länge
47 min