INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-7522

Tales of Readymades / Double-sided / bodies and explosions 2 "Luft auflö...

Beschreibung

1. Tales of Readymades
Mein Recherchevorhaben im Rahmen des Tanzstipendiums 2013 des Berliner Senats setzte sich mit dem Einsatz der Stimme auf zwei Arten auseinander: Singen (Gesangsstunden, Arbeit mit Liedern) und das Studium von Action TheatreTM. Am Anfang dieser Recherche dachte ich, dass die Praxis des Singens stark mit der Sprache verbunden ist und kulturelle Normen wie Rhythmus, Melodie und Harmonie setzt. Die Action Theatre Praxis dagegen repräsentiert die Dekonstruktion des Einsatzes der Stimme und den Versuch, sie von genau diesen Normen zu befreien. Im Arbeitsprozess stellte ich jedoch fest, dass in beiden Praktiken ' im Action Theatre genauso wie im Stimmtraining ' der Körper und seine spontane Ausdrucksfähigkeit immer in Relation zu musikalischen und linguistischen Bildern steht. Auch im Kontext des Komponierens ist die Frage der Dekonstruktion versus Benutzen von "readymades" stets präsent, weil es eine Frage der Wahrnehmung aus vielen Perspektiven ist, sowohl persönlicher als auch kollektiver. Diese Recherche fortsetzend möchte ich nun meine Erfahrungen in Action Theatre, Stimmarbeit und anderen Bewegungspraktiken nutzen, um ein Solo zu kreieren.

Michael Shapira lebt als Tänzer und Choreograf in Berlin. Er studierte Interaktives Design in Stockholm/Schweden und Tanz, Improvisation und Performance in Freiburg. Er hat mit Angelika Ächter, Harald Kimmig, Andrew Wass, Julyen Hamilton und Michael Schumacher gearbeitet. Sein Solo "Glorious George the Jewish Gargoyle", das 2012 seine Premiere im ada Studio erlebte, gewann 2013 den 1. Preis beim Solowettbewerb in Gdansk/Polen. Nachdem er 2013 das Tanzstipendium des Berliner Senats erhalten hatte, arbeitete er weiter an eigenen Stücken in Berlin ("Dry Love", Tanztage 2014) und Belgrad ("Mah Nishtana/Ten", Wild Card Residency des Life Long Burning Programms 2014). Gegenwärtig kollaboriert er mit den Berliner Choreografen Barbara Berti und Julian Weber. Er ist Gründungsmitglied der Lake Studios Berlin, einem von Künstlern ins Leben gerufenen Ort für Tanz, Performance und Produktion.

[Quelle: Abendzettel]

2. Double-sided (Research)
"Inwieweit verträgt die Wahrheit die Einverleibung? ' das ist die Frage, das ist das Experiment." (Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft)

Unser Wesen liegt in dem, was am zufälligsten an uns ist: Zeit und Ort der Geburt, Sprach- und Bewegungsgewohnheiten, Fehler und Eigenheiten unseres Körpers. Aber unser Bild von uns wird durch Bezug zu anderen geändert; die Wahrnehmung des individuellen Bildes ändert sich abhängig von den Bedürfnissen der anderen... Unsere Leben sind eher bruchstückhafte Träume als das Etablieren eines bewussten Selbst; ein Maskenball.

Eines der charakteristischen Merkmale des modernen Lebens ist, dass es unzählige Möglichkeiten dafür liefert, den überall auf der Welt stattfindenden Horror aus der Ferne zu betrachten, der damit alltäglich wird. Wir haben gebrochene, verängstig­te, sterbende Körper gesehen und sind mit der Gewalt aufgewachsen. Gewalt macht jeden, der ihr ausgesetzt ist, zu etwas, sie macht den Körper zum Objekt und zerstört, was Menschen als Individuen, als menschliche Wesen, identifiziert. "Double-sided" ist eine Reflexion über den menschlichen Körper, eine Untersuchung darüber, wie das Spektakel der Leiden anderer uns beeinflusst ... oder nicht ... das Entfernen der Masken von unseren animalischen Gesichtern hat kaum erst begonnen.

Martha Hincapie Charry studierte Tanz in ihrer Heimat Kolumbien und an der Folkwang- Hochschule Essen unter der Leitung von Pina Bausch. Sie tanzte am Wuppertaler Tanztheater, Stadttheater Münster, Bochumer Schauspielhaus, am Theater Aachen, sowie für diverse freie Produktionen. Mit ihren eigenen Stücken wurde sie auf Festivals nach Frankreich, Kroatien, Italien, Portugal, Ecuador, Kolumbien und Deutschland eingeladen. Sie ist Gewinnerin verschiedener Preise und Stipendien und gründete 2007 die deutsch- kolumbianische Gruppe Periferic. Ihr Stück "Autorretrato con Máscara ' Self-portrait with mask" entstand mit Unterstützung der spanischen Stiftung IBERESCENA in Kolumbien und wurde mit dem Publikumspreis beim Festival 100ð Berlin ausgezeichnet, als bestes Stück der Saison 2009 des Theaters R101 in Bogota ausgewählt, erhielt eine "Honorable Mention" beim Videotanzfestival "imagenenmovimiento" Bogotá 2009 und wurde für den Nationalen kolumbianischen Tanzpreis 2010 nominiert. Nach verschiedenen pädagogischen Erfahrungen in Kolumbien arbeitet sie seit 2008 als choreografische Assistentin in Community-Dance-Projekten für Royston Maldoom, Josef Eder und Rhys Martin unter anderem mit den Berlinern Philharmonikern und mit Straßenkindern am Nationaltheater Bukarest. 2010 entstand am Dock11 Berlin, unterstützt durch eine Einstiegsförderung des Berliner Senats, "The Second Time in Between". 2011 feierte "To die For" an den Sophiensaelen Berlin Premiere. Im Januar 2012 zeigte sie, gefördert vom kolumbianischen Kulturministerium, in Bogotá ihre Arbeit "Transparente", die in Kooperation mit der Gruppe Danza Comun entstand. 2013 hat sie am Theater Basel unter der Leitung von Volker Lösch die Choreografie für das Stück "ANGST" entwickelt und in Bogotá das Abschlussstück für die Absolventen des Studiengangs Zeitgenössischer Tanz an der Universität Francisco Jose de Caldas choreografiert. Seit 2010 ist sie künstlerische Leiterin des iberoamerikanischen Festivals Plataforma Berlin. Martha lebt und arbeitet zwischen Berlin und Bogotá.

Gabriel Galindez Cruz wurde in Kolumbien geboren. Er studierte Tanz am Centre National de Danse Contemporaine d'Angers in Frankreich und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Als Tänzer arbeitete er mit Dominique Dupuy, Alvaro Restrepo und Carmen Werner, Dieter Heitkamp, Toula Limnaios, Wilhelm Groener und William Forsythe. In der Spielzeit 2009/2010 war Gabriel Mitglied der Tanzcompagnie des Theaters St. Gallen, Schweiz, unter der Direktion von Marco Santi. 2012/13 war er an der Opernproduktion "Der Ring des Nibelungen" unter der choreografischen Direktion von Sidi Larbi Cherkaoui beteiligt. Seit August 2005 arbeitet er mit Sasha Waltz und ist u. a. in ihren Choreografien "Gezeiten", "Medea", "Jagden und Formen (Zustand 2008)" und "Tannhäuser" zu sehen. Gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin präsentierte er zudem das choreographische Konzert "4 Elemente ' 4 Jahreszeiten" von Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola. Daneben entwickelt er auch eigene Tanzstücke. "Marca", "Solo" und "Duo" wurden in Berlin sowie beim Insoliti Festival in Turin aufgeführt. 2009 wurde sein Gruppenstück "AIUAIO" beim Jeunes Talents du Cirque Europe ausgezeichnet. Sein Stück "HIDDEN TRACKS" war 2011 und 2012 in verschiedenen Städten Deutschlands zu sehen sowie in Bogota/Kolumbien. Weitere seiner Arbeiten sind "Pre-esencia", "Invisible" für das Plataforma Festival Berlin, "E.U.R.O.P.A." für das Ballhaus Naunynstraße Berlin und das Duo "Not Matter the Size" gemeinsam mit einen 9 Jahre alten Kind im Jüdischen Museum Berlin. Seit November 2007 leitet er die Kindertanzcompany von Sasha Waltz & Guests im RADIALSYSTEM V. Für diese Kompanie hat er die Stücke "Der Kleine Mann" (2009), "Monsters" (2010), "Davon" (2011) und "The Wild Things" (2013) kreiert. Gabriel gibt Unterricht und Workshops für Professionale Tänzer, Amateure und Kinder in Europa und Lateinamerika.

[Quelle: Abendzettel]

3. bodies and explosions 2; "Luft auflösen"
Eine choreografische Versuchsanordnung für Zuschauer und Explosionen

Die Arbeiten verschiedenster bildender Künstler mit explosiven Objekten waren Auslöser für die Frage, wie es wohl wäre, wenn man Explosionen in ihrer Unmittelbarkeit neben die unmittelbare Präsenz von Körpern setzt. Und darüber hinaus, welche performative Situationen es hervorbringt, wenn man mit Körpern Zuschauer wie Tänzer gleichermaßen meint.

In meiner zweiten Recherchephase für das Tanzstipendium wollte ich vor allem ausprobieren, wie sich die Körper zweier Tänzerinnen und explosive Ereignisse zur Raumwahrnehmung der Zuschauer verhalten. Meine Idee war, ähnlich der bildenden Künstler subtile Systeme für Kettenreaktionen zu entwickeln. In öffentlichen und unöffentlichen Recherchen in der Wetterballonhalle auf dem Tempelhofer Feld erforschten wir dann, wie sich aus der Aufmerksamkeit gegenüber räumlichen Veränderungen die Gesamtsituation zwischen allen mitverändert und welche Rolle die Performer in diesem Spiel übernehmen.

Sabine Zahn studierte Theaterwissenschaft und Journalistik in Leipzig. Schauspielausbildung an der Scuola Teatro Dimitri (Hochschule für Körpertheater) und mit Stipendium an der wasihrwollt Akademie von Peter Zadek/Tom Stromberg. Verfolgt seit 2005 eigene Projekte zumeist als Choreografin und in Kooperation mit anderen Künstlern und Menschen. Mit dem Architektenkollektiv raumlaborberlin kollaboriert sie regelmäßig für Arbeiten im urbanen Raum. Sie ist Teil von AREAL ' artistic researchlab ' Berlin. Institutionelle Arbeitspartner waren und sind u.a. das Teatro Dimitri, Hebbel am Ufer Berlin, T-werk und fabrik Potsdam, verschiedene Residenzorte, das Theater an der Parkaue.

"Ich verstehe Choreografie grundsätzlich als das Hervorbringen von gemeinsamen Situationen, die durch Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren in konstanter Bewegung sind. Mich interessiert die genaue Untersuchung der gegenseitigen Einflussnahme zwischen Körpern und ihrer Umwelt, zwischen Publikum, Performern und materiellen wie sozialen Räumen." (SZ)

[Quelle: Abendzettel]

jup

Die Trailer von "Double-sided" und "bodies and explosions 2 "Luft auflösen" sind auf der Seite von Tanzforum Berlin verfügbar.

Darsteller
Michael Shapira, Martha Hincapie Charry, Gabriel Galindez Cruz, Sabine Zahn
Standorte
MCB
Reihe
Aufnahmedatum
Samstag, 27. September 2014
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Kamera
Walter Bickmann
Länge
109 min