INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

MEDIATHEK

FÜR TANZ

UND THEATER

MCB-DV-7497

Siena

Beschreibung

Eine Frau sitzt in einem Museumssaal und betrachtet ein Gemälde, beobachtet von einem Mann am Eingang. Das ist die Ausgangsszenerie des neuen Projekts von La Veronal, das uns auf der Suche nach dem menschlichen Körper ins italienische "Siena" entführt. Schon immer zeigte und zeigt sich am menschlichen Körper der Wandel der Jahrhunderte, und die Kunst hat sich auf jede erdenkliche Weise mit dem Menschen beschäftigt, für die Künstler war der Körper Träger wie Quelle von Bedeutungen. La Veronals Stück ist eine Entdeckungsreise in die Kunst Italiens, die von der Renaissance, als die Menschen sich wieder ihrer selbst bewusst wurden, bis in die Gegenwart führt. Unterwegs verliert sich "Siena", und wir finden uns in einem seltsamen, zeitlosen Raum wieder, gefangen in einem Ekphrasis-Spiel der verbalen Beschreibung von existierenden und fiktiven Bildern. Der dargestellte und der reale Körper, der tote und der lebende Körper überlagern sich, und wir werden gezwungen, einen Moment innezuhalten, um uns zu orientieren. An diesem Ort verwischen die Grenzen zwischen Erinnerung und Fantasie, der Körper erscheint als Objekt, mit seiner äußeren Erscheinung, seiner Verletzbarkeit und seiner Sterblichkeit, und der Gegensatz zwischen dem Individuum und der Masse wird unverkennbar. "Siena" entsteht aus dem unbedingten und anhaltenden Verlangen des Menschen, über sich selbst nachzudenken. Er beobachtet sich selbst, wird sich der Gestalt seines Körpers bewusst, seiner Handlungen und seiner Gegenwart. Im Grunde steht "Siena" für den Wunsch, ständig nur zu beobachten, bis sich alles auflöst. Auch die aktuelle Arbeit von La Veronal lebt von Anspielungen auf andere Kunstformen wie den Film und die Literatur. Pasolinis Werk mit seiner tiefen Humanität wurde zum Ausgangspunkt eines beunruhigenden Versuchs über die zentrale Rolle des Körpers auf der Bühne, der ohne La Veronals künstlerische Partner El Conde de Torrefiel und ihr spezifisches Vokabular nicht denkbar wäre.

Marcos Morau hat Choreografie am Institut del Teatre in Barcelona, am Conservatorio Superior de Danza in Valencia und am Institut Movement Research in New York studiert und schloss sein Studium mit Auszeichnung am Institut del Teatre ab. Choreografische Assistenzen führten ihn zum Nederlands Dans Theater II und zu der von Catherine Allard geleiteten Kompanie IT Dansa. Sein künstlerisches Schaffen beschränkt sich nicht auf den Tanz und umfasst unter anderem auch die Fotografie und das Schauspiel; so machte er seinen Masterabschluss in Theorie des Dramas. 2005 gründete er La Veronal und vereinigte hierfür Kreative aus den Bereichen Tanz, Film, Fotografie und Literatur. Das Ensemble wird angetrieben von der ständigen Suche nach neuen Ausdrucksformen und neuen Anregungen, um ein künstlerisches Vokabular zu erarbeiten und eine über alle Ländergrenzen hinweg verständliche Sprache zu entwickeln.

La Veronal arbeitet an einer Serie von Stücken, als deren Ausgangspunkt jeweils eine Stadt oder ein Land dient; Ziel ist es, eine Analogie von Tanz und Geografie zu schaffen. Es geht nicht darum, die Stadt oder das Land dokumentarisch festzuhalten, vielmehr soll auf Grundlage von für den Ort spezifischen Elementen und Assoziationen jeweils eine Vorstellung, eine These entwickelt werden. Mit diesem ganz eigenen Ansatz hat sich die Kompanie einen Namen als eine der wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen Tanzes gemacht. 2013 erhielt Marcos Morau den nationalen Tanzpreis des spanischen Kulturministeriums und den Sebastià -Gasch-Preis, der von der FAD ' Foundation of Arts and Design vergeben wird. Mit seinen Inszenierungen errang er national wie international bei vielen Choreografie-Wettbewerben Auszeichnungen: bei dem Internationalen Choreografenwettbewerb "Choreography" in Hannover, der Copenhagen International Choreography Competition, der Madrid Choreography Competition und bei Masdanza, dem internationalen Tanzfestival der Kanarischen Inseln. Zudem erhielt er 2013 für Siena den Zuschauerpreis "Premio Butaca" für die beste Tanzperformance.

Marcos Morau und sein Ensemble genießen inzwischen international großes Ansehen, und in den kommenden Spielzeiten entstehen neue Stücke unter anderem für die spanische Compaà±ia Nacional de Danza (Ltg. José Martínez), das Scapino Ballett, Rotterdam, das Skà¥nes Dansteater sowie für Norrdans (beide in Schweden), das Ballet Teatres der Provinz Valencia und das Kongelige Teater, Kopenhagen. La Veronal wurde zu einigen der wichtigsten Festivals und in einige der bedeutendsten Theater eingeladen, so das Théâtre National de Chaillot in Paris, die Biennale di Venezia, das DanceSalad-Festival in Houston, Temporada Alta (Spanien), das Roma Europa Festival, das SIDance Festival in Seoul, das Stockholm Dansens Hus und das Sadler's Wells in London.
[Quelle: Abendzettel]

jup

Regie
Gruppe / Compagnie / Ensemble
Choreographie
Darsteller
Inma Asensio, Laia Duran, Cristina Facco, Cristina Goñi, Anna Hierro, Ariadna Montfort, Lorena Nogal, Marina Rodríguez, Manuel Rodríguez, Sau-Ching Wong
Standorte
MCB
Reihe
Aufnahmedatum
Samstag, 23. August 2014
Kamera
Walter Bickmann
Orte
Stadt
Berlin
Land
Deutschland
Länge
67 min