INTERNATIONALES THEATERINSTITUT / MIME CENTRUM BERLIN

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Villquist, Ingmar

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Ingmar Villquist gilt als die größte Entdeckung unter den jungen polnischen Dramatikern. Er füllt eine Lücke, die nach dem Verschwinden des Romantischen Dramas und des Absurden Theaters aus dem Repertoire der meisten Bühnen entstand. Mit dem Pseudonym Villqist hat sich Jaroslaw Swierszcz weniger einen fremden Namen zugelegt, als eine künstlerische Identität, die sein Naheverhältnis zum Psychologischen Realismus des Filmregisseurs Ingmar Bergmann und des Dramatikers Henrik Ibsen dokumentieren soll. Sein großes Thema sind gesellschaftliche Außenseiter, wobei er aber noch das Stilelement der Verfremdung einbringt und seine Stücke als Kammerspiele baut. Weiters ersetzt den Protagonisten, der traditionell die Ideen personifiziert, ein neuer Typus, ein Mensch, der aufgrund seines Andersseins von der Gesellschaft ausgestoßen wird. Diesen Menschen lässt Villqist permanent um Liebe und Akzeptanz kämpfen. Jaroslaw Swierszcz wurde im oberschlesischen Chorzow, Polen, geboren. Seine berufliche Laufbahn begann mit dem Studium der Kunstgeschichte sowie einer Ausbildung zum Maler. Er wurde zu einem bekannten Galeristen und Ausstellungskurator innerhalb der polnischen Avantgarde und wirkte auch als Lektor an der Akademie der bildenden Künste in Katowice und Warszawa. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er als Kunstkritiker. Erst 1995 veröffentlichte er das erste Stück „Schmalzwürfel und Rosinen“ („Kostka smalcu z bakaliami“). 1999, als er an „Oskar und Ruth“ arbeitete, verwendete er erstmals das Pseudonym „Villqist“. Jahre nach seinem Debüt begannen sich die Handlungsorte von Villqists Stücken allmählich aus dem imaginierten Skandinavien der polnischen Grenze zu nähern. Villqists Ziel war und ist Autorentheater. Mittlerweile arbeitet er auch als Regisseur und hat die Uraufführungen seiner Stücke geleitet. Der Vorrang, den er dabei dem visuellen Element zugesteht, kommt auch in seinen detaillierten Bühnenbeschreibungen zum Ausdruck. Seine radikale Vereinfachung der Ausstattung tut der Wirkung seiner Texte dabei keinen Abbruch. Heute leitet Villqist Workshops für kreatives Schreiben und Dramaturgie im Dramaturgiezentrum in Posen und ist der Hausdramaturg im Teatr Polski in Poznan. [Andreas Kosek basierend auf einem Text von Roma Hurey (Theaterwissenschaftlerin)] (Quelle: Deutsches Kulturforum)

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